Sven Spannekrebs gehört zu den bekanntesten Schwimmtrainern Deutschlands. Wasser ist sein Element und er setzt sich weltweit dafür ein, dass noch mehr Menschen Schwimmen lernen - ob bei der Sportjugend Berlin, mit seinen humanitären Sportprojekten oder als Teil der internationalen „Discover Water“-Initiative. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er, als er die Schwestern Yusra und Sara Mardini trainierte und mit Yusra Mardini 2016 zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro reiste. Die Geschichte der zwei syrischen Schwimmerinnen, die 2015 ein überfülltes Schlauchboot vor dem Kentern bewahrten, wurde später im Film „Die Schwimmerinnen“ mit Matthias Schweighöfer sowie Manal und Nathalie Issa verfilmt.
Drei Fragen an Sven Spannekrebs
Redaktion: Herr Spannekrebs, wie beurteilen Sie als Profi-Trainer die Fortschritte unseren jüngsten Nachwuchstalents in der Hippo Bay?
Dafür, dass diese Tiere tatsächlich nicht schwimmen können – wie ich im Zoo Berlin lernen durfte –, bewegt sich der Flusspferd-Nachwuchs erstaunlich entspannt und souverän durchs Wasser – von Angst keine Spur. Das ist bei Kindern keine Selbstverständlichkeit. Vielleicht wird es ja wirklich das erste Flusspferd, das sein „Seepferdchen“ macht. Und wer weiß, wenn wir in Berlin in 2036, 2040 oder 2044 die Olympischen Spiele austragen, vielleicht startet unser Mini-Hippo ja sogar für Deutschland. Dann wäre jetzt zumindest der ideale Zeitpunkt, mit dem Training zu beginnen (lacht). Aber Spaß beiseite: Genau darum geht es bei der Wassergewöhnung: Sicherheit und Selbstvertrauen gewinnen. Schwimmenlernen hat deshalb eine enorme Bedeutung für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Schwimmen ist mehr als eine olympische Disziplin oder eine reine Freizeitbeschäftigung. Es ist eine lebenswichtige Fähigkeit – ein Stück Sicherheit, Freiheit und gesellschaftliche Teilhabe.
Redaktion: Wie ist die Lage für die Schwimmanfänger in Berlin außerhalb der Hippo Bay?
Sven Spannekrebs: Zu viele Kinder in Deutschland können heutzutage nicht sicher schwimmen. In anderen Ländern sind die Zahlen zum Teil dramatisch. Doch in den letzten Jahren haben auch hier in Berlin immer weniger Kinder schwimmen gelernt. Das ist ein Problem, das wir nicht ignorieren dürfen. Berlin tut mit den stadtweiten Schulschwimmzentren und Intensivschwimmkursen bereits einiges, doch wir müssen die Infrastruktur weiter ausbauen und die Vereine stärken, gerade bei der Gewinnung und Bindung ehrenamtlicher Trainer*innen. Vielleicht kann das junge Flusspferd hier auch ein Botschafter sein – nicht nur für den Schutz seiner bedrohten Verwandten im natürlichen Lebensraum, sondern auch für mehr Mut bei allen Nichtschwimmer*innen, den „Sprung ins kalte Wasser“ zu wagen

Redaktion: Sie sind in vielen ehrenamtlichen Positionen engagiert und haben weltweit Schwimm-Projekte begleitet. Woher nehmen Sie die Inspiration und Energie, sich immer wieder in neuen Aufgaben mit so viel Herzblut einzubringen?
Sven Spannekrebs: Schwimmenlernen verändert Leben. Manchmal rettet es sie sogar. Bei meiner besten Freundin Yusra Mardini war das wortwörtlich so. Und egal ob in Deutschland oder in Projekten auf dem afrikanischen Kontinent: Schwimmen schenkt Kindern Selbstvertrauen, Mut und Gesundheit. Jedes Kind verdient die Chance, sich im Wasser sicher zu fühlen, unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund. Diese Motivation treibt mich an, bei allem was ich tue.
Redaktion: Vielen Dank Herr Spannekrebs.
Sven Spannekrebs: Auch von mir vielen Dank. Ich durfte schon sehr viele Talente begleiten, aber ein Besuch bei einem kleinen Flusspferdbullen ist tatsächlich auch für mich eine Premiere.

