Die Zoologischen Gärten Berlin dürfen sich über eine wachsende Zahl an Menschen freuen, die die Bedeutung unserer Arbeit erkannt haben und mit uns für ein gemeinsames Ziel kämpfen: den Erhalt der Artenvielfalt auf unserem Planeten. An dieser Stelle möchten wir mit einigen von ihnen ins Gespräch kommen und erfahren, was sie antreibt und warum sie uns unterstützen. In dieser Ausgabe sprechen wir mit Dr. Eckart von Hirschhausen, der sich seit Jahren mit seiner Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen für den Umwelt und Artenschutz einsetzt.
3 Fragen an Dr. Eckart von Hirschhausen
Redaktion: Lieber Dr. Eckart von Hirschhausen, welche Impulse können zoologische Einrichtungen geben, um drängende ökologische Herausforderungen anzugehen?
Dr. Eckart von Hirschhausen: Zoo sind ganz wichtige Orte, um Begegnungen, Lernen und Mitgefühl zu ermöglichen! Ich bin schon als Kind sehr gerne in den Berliner Zoo gekommen und konnte hier Stunden glücklich verbringen. Und auch für meinen aktuellen Bestseller „Der Pinguin, der fliegen lernte“ durfte ich im Zoo mit den wunderbaren Pinguinen Fotos machen. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine Herzensverbindung spüren müssen für das „Netzwerk“ des Lebens. Wie soll man etwas abstraktes wie Artenvielfalt schützen, wenn man es nie konkret zu schätzen gelernt hat? Es war auch eine echte Begegnung im Zoo, die mich auf die beste Geschichte meines Lebens gebracht hat. Erst wenn man verstanden hat, wie genial die Tiere sich angepasst haben, versteht man auch, dass wir mit Klimaschutz auch immer Artenschutz und Gesundheitsschutz verbinden.

Redaktion: In Ihrem neuen Buch „Der Pinguin, der fliegen lernte“ geht es um einen Perspektivwechsel und den Mut, den eigenen Weg zu finden. Was können wir von Pinguinen über unser eigenes Leben lernen?
Dr. Eckart von Hirschhausen: Viel! Um den eisigen Temperaturen zu trotzen und um sich gegenseitig zu wärmen, rücken ganz viele Pinguine in einem sogenannten Huddle so eng aneinander, dass im Inneren der Gruppe Temperaturen herrschen, die über der Körpertemperatur der einzelnen Tiere liegen. Sie wechseln sich ab, wer an der kalten Außenseite stehen muss - und keiner meckert! All das bekommen sie koordiniert, ohne dass irgendjemand der Chef ist. Sie brauchen dafür nur eine berührende Selbstlosigkeit. Wenn Pinguine so gut kooperieren können, dann sollten wir Menschen, die wir uns für die Krone der Schöpfung halten, doch gerade in kalten und harten Zeiten auch neue Formen des Miteinanders finden können. Ich kann mich immer wieder amüsieren, wie die Küken unter den wärmenden Bäuchen der Eltern herausschauen, um mit den anderen Küken zu quatschen. Wie die Eltern sich über eine Art Synchron-Tanz wiedererkennen. Oder wie die Kolonie bei Kälte zusammensteht und gemeinsam La Ola macht. Da können wir uns viel von abschauen: wir sind füreinander gemacht – nicht gegeneinander.
Redaktion: Als Humanmediziner und Naturfreund kennen Sie beide Perspektiven. Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt?
Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde. Wenn wir die Wildtiere krank machen, machen sie uns krank. Die meisten großen Infektionswellen der letzten Jahrzehnte sind so entstanden, von HIV, Ebola bis Corona. Das heißt auf schlau „Planetary Health“ und „One Health“. Was jetzt wichtig ist: Wildtierhandel beenden und Schutzgebiete einrichten; Treibhausgasemissionen radikal senken durch 100 % Erneuerbare ersetzen; die Planetary Health Diet fördern, also weniger Fleisch und mehr Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse auf die Teller; Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung beenden - und am besten die Massentierhaltung gleich mit. Das Beste an diesen Maßnahmen ist: Sie fördern unsere globale wie auch unsere persönliche Gesundheit. Und die der Tiere. Also win-win-win!
Redaktion: Ganz herzlichen Dank für diesen Einblick!
„Wir sind füreinander gemacht – nicht gegeneinander.“
