Vogelgrippe: Zoo Berlin bleibt weiterhin geschlossen

Bislang kein weiterer positiver Fall | Vereinzelte Testergebnisse stehen noch aus

Der Zoo Berlin verfügt über einen der größten Vogelbestände Europas. Nachdem am Freitag, den 18. November 2022 erstmals ein Fall von Vogelgrippe im Zoo Berlin bestätigt wurde, sind unmittelbar umfangreiche Quarantänemaßnahmen ergriffen worden. Als eine der Folgen musste das gesamte Gelände für die Gäste geschlossen werden. Zudem wurde eine Probenentnahme aller Vögel im Bestand des Zoo Berlin in die Wege geleitet. Nach der Auswertung fast aller Ergebnisse kann nun eine erste Einschätzung zur aktuellen Lage in Deutschlands ältester Zoologischen Einrichtung gegeben werden. Die gute Nachricht: Bei den Ergebnissen dieser ersten Testrunde ist bislang kein weiterer positiver Fall aufgetreten. Der Zoo Berlin bleibt jedoch weiterhin geschlossen.

In den vergangenen Tagen wurden zunächst die Vögel getestet, die im direktem (86 Tiere) oder indirektem (235 Tiere) Kontakt zum infizierten Hammerkopf waren. Anschließend erfolgte die Probenentnahme der übrigen Vögel im Bestand des Zoo Berlin. Bei den Ergebnissen dieser ersten Testrunde ist bislang kein weiterer Vogelgrippe-Fall aufgetreten, es stehen aber derzeit noch Ergebnisse aus. Im Anschluss werden jedoch noch weitere Testreihen notwendig sein, um Rückschlüsse auf die Infektionsquelle zu ziehen sowie über die weiteren Schritte zu beraten. Laut Artikel 12 Absatz 1 Buchstabe a der EU-Verordnung 2020/687 ist beim Auftritt eines positiven Falles der aviären Influenza die Tötung für den gesamten Vogelbestand vorgeschrieben, dies beträfe im Zoo Berlin nicht nur Hühner, Gänse und Enten, sondern auch alle übrigen Vogelarten wie Brillenpinguine, James-Flamingos und Hyazinth-Aras. „Wir sind zunächst erst einmal froh, dass es sich bei dem infizierten Hammerkopf bislang um einen Einzelfall handelt. Dennoch sind wir uns bewusst, dass die aktuelle EU-weite Rechtslage nur wenig Handlungsspielraum lässt“, beschreibt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem den Ernst der Lage. „Bevor wir uns über das Thema Öffnung des Zoo Berlin Gedanken machen können, gilt es also zunächst eine Katastrophe für unsere Vögel und den Zoo abzuwenden. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, eine Ausnahmegenehmigung für unseren einzigartigen Vogelbestand zu bekommen“, ergänzt Knieriem. 

Unter den 1.200 gefiederten Bewohnern sind auch viele in der Natur stark gefährdete bzw. vom Aussterben bedrohte Arten wie Kagu, Vietnamesischer Fasan, Nördlicher Streifenkiwi, Südlicher Felsenpinguin oder Balistar, welche im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes koordiniert werden und als Reservepopulationen fungieren. Mit seinen Nachzuchten beteiligt sich der Zoo regelmäßig an Wiederansiedlungsprojekten für Bartgeier, Waldrapp und Europäischer Moorente. Der Verlust wäre für den Schutz dieser Arten daher ein herber Rückschlag.

Bei der Geflügelpest handelt es sich um eine hochansteckende Viruserkrankung. Sie wird in erster Linie durch direkten Tierkontakt, aber auch durch indirekten Kontakt z.B. über kontaminiertes Schuhwerk, Kleidung oder Einstreu übertragen. Die meisten Vogelarten – insbesondere Puten und Hühner - sind empfänglich für die Infektion, bei Wildvögeln treten jedoch nur selten Erkrankungen auf. „Die Geflügelpest ist natürlich kein gänzlich neues Thema für uns, doch dieser erstmalige positive Befund in unserem Tierbestand traf uns ohne jegliche Vorwarnung“, erklärt der Zoologische Leiter Christian Kern. „Sobald in den vergangenen Jahren ein Fall in der Umgebung auftrat, wurden die Vögel als Vorsichtsmaßnahme bereits in die Stallungen gebracht.“

„Es gab im Februar und März 2022 bereits 26 Fälle von Aviärer Influenza bei verendeten Wildvögeln in Berlin. In diesem Winter ist dies der erste bekannte Fall in Berlin und Brandenburg. Unser oberstes Ziel muss weiterhin sein, eine Ausbreitung und die Einschleppung in andere Vogelbestände zu verhindern“, erklärt Veterinärreferent Dr. Torsten Nöldner von der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz.

Zu den durch die Veterinär- und Lebensmittelaufsicht vom Ordnungsamt Berlin-Mitte angeordneten Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung gehören unter anderem folgende:

  • Der Zoologische Garten Berlin bleibt bis auf weiteres für den Besuchsverkehr geschlossen. Das Betreten des Zoos ist aktuell nur aus zwingend notwendigem Grund (z.B. zur Versorgung der Tiere) gestattet. 
  • Die mit der Versorgung von Vögeln betrauten Mitarbeitenden wurden umfassend aufgeklärt und tragen Schutzkleidung, um eine Übertragung und Verschleppung des Virus zu verhindern. 
  • Eine Sperre des Tierbestandes wurde von der zuständigen Veterinärbehörde verfügt, sodass derzeit keinerlei Tierbewegungen in oder aus dem Zoo hinaus stattfinden.
  • Es wurde eine Risikoanalyse für die Gesamtsituation im Zoo Berlin durchgeführt. Ein Epidemiologe des Friedrich-Löffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) sowie weitere externe Expert*innen stehen dem Zoo Berlin aktuell beratend zur Seite. 
  • Es findet eine regelmäßige Testung aller Vögel statt.


„Die amtlich angeordneten Maßnahmen sind geeignet, eine Weiterverbreitung bzw. Gesundheitsgefährdung empfänglicher Tiere zu minimieren und die Seuche schnell zu bekämpfen“, bestätigt die amtliche Tierärztin der zuständigen Veterinär- und Lebensmittelaufsicht vom Ordnungsamt Berlin-Mitte, Maria Elena Kaschubat. „Es liegt im Interesse aller, das sie mit größter Sorgfalt und Disziplin bis ins letzte Detail befolgt werden.“
Erst wenn nach Untersuchung aller Vögel kein weiterer positiver Fall auftritt, kann über Lockerungen der aktuell geltenden Anordnungen nachgedacht werden. Eine Schließung bis voraussichtlich Ende des Jahres gilt derzeit als wahrscheinlich. Jedes weitere positive Ergebnis, würde jedoch eine Neubewertung der Lage zur Folge haben. Das Aquarium und der Tierpark Berlin bleiben weiterhin geöffnet.

Hintergrund
Seitdem die Vogelgrippe auch in Mitteleuropa immer häufiger auftritt, werden im Zoo und Tierpark Berlin verstorbene Vögel stichprobenartig auf Aviäre Influenza – auch bekannt als Vogelgrippe oder Geflügelpest – getestet. Für einen am 13.11.2022 verstorbenen Hammerkopf aus dem Zoo Berlin wurde am 18.11. erstmals ein positives Ergebnis für die Aviäre Influenza bestätigt. Weitreichenden Quarantänemaßnahmen wurden sofort in die Wege geleitet, nahezu alle Vögel wurden daraufhin in rückwärtige Volieren bzw. Stallungen gebracht. Mit dem H5N1-Virus sind beim Menschen und anderen Tierarten bislang nur in Einzelfällen mit Infektionen in Verbindung gebracht worden. Wohl aber besteht das Risiko das Virus in andere Vogelbestände einzuschleppen. In Rücksprache mit den lokalen Behörden bleibt der Zoo Berlin daher bis auf weiteres für die Gäste geschlossen.

Hilfe für den Zoo
Nach der Corona-Pandemie, der aktuellen Energiekrise und drastisch steigenden Futterpreisen muss der Zoo Berlin mit dem Ausbruch der Vogelgrippe nun innerhalb kürzester Zeit erneut eine immense Herausforderung meistern. Das Team ist unermüdlichen im Einsatz um die Situation zu bewältigen und gleichzeitig alle Tiere zu versorgen. Als gemeinnützige Organisation ist der Zoo Berlin auf Eintrittsgelder und Spenden angewiesen und freut sich über jede Unterstützung: www.zoo-berlin.de/helfen

Tipp: Eine Tierpatenschaft oder ein Ticketgutschein bieten eine gute Möglichkeit, zu Weihnachten etwas Gutes zu tun und gleich doppelt Freude zu verschenken – auch online erhältlich!

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