Seit Jahrzehnten verschollen: Bring Back Blue

Der Vietnamesische Fasan gilt als „in der Natur ausgestorben“ | Zoo und Tierpark Berlin unterstützen seine Rückkehr in die Wälder Vietnams

    Eine internationale Artenschutzinitiative nimmt Fahrt auf: Unter Koordination der Zoologischen Gärten Berlin werden in dieser Woche insgesamt 20 Vietnamesische Fasane aus dem europäischen Erhaltungszuchtprogramm nach Vietnam gebracht, wo die Tierart als ausgerottet gilt. Ziel ist es, die Art langfristig wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum anzusiedeln.

    Der Vietnamesische Fasan (Lophura edwardsi) gilt in Zentralvietnam seit Jahrzehnten als verschollen: Zuletzt wurde er im Jahr 2000 gesichtet. Seit 2012 ist er auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. 2024 erhielt die Art zusätzlich den Status „Possibly Extinct in the Wild“ („wahrscheinlich in der Natur ausgestorben“), ein Sonderstatus für Arten, die in ihrem natürlichen Lebensraum vermutlich nicht mehr vorkommen. Auf der lokalen Liste der IUCN in Vietnam ist er bereits als „Extinct in the wild“ („in der Natur ausgestorben“) gelistet. Die Hauptursachen für sein Verschwinden sind die Jagd und insbesondere der Lebensraumverlust, der durch den Vietnamkrieg und seine langfristigen Folgen noch verschärft wurde. Dass die Art dennoch erhalten werden konnte, ist der internationalen Zusammenarbeit zoologischer Einrichtungen zu verdanken. Aus wenigen Tieren entstand über Jahrzehnte hinweg eine stabile Reservepopulation, die jetzt die Grundlage für die geplante Rückkehr bildet. Die nun ausgewählten Tiere wurden anhand genetischer Vielfalt, Gesundheitszustand und Verhaltensmerkmalen zusammengestellt.

    „Dieses Projekt ist für uns in Berlin eine besondere Herzensangelegenheit und das Ergebnis jahrzehntelanger internationaler Zusammenarbeit“, sagt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „Der Vietnamesische Fasan hat dank koordinierter Erhaltungszucht überlebt. Nun haben wir die Chance, ihn wieder in seine natürliche Heimat, zurückzubringen.“ Nach dem Transport werden die Tiere zunächst unter geschützten Bedingungen in Vietnam gehalten. Ziel ist es, stabile Bestände aufzubauen und eine neue Generation vor Ort zu etablieren. Erst dann folgen weitere Schritte in Richtung Auswilderung. Parallel dazu werden geeignete Lebensräume gesichert und Schutzmaßnahmen intensiviert. Eine zentrale Rolle spielt das Rare Pheasant Breeding Center der NGO Viet Nature, das Zucht, Forschung sowie Umweltbildung verbindet und eng mit lokalen Gemeinschaften arbeitet. „Für Vietnam bedeutet die Rückkehr des Vietnamesischen Fasans mehr als den Schutz einer einzelnen Art“, sagt Pham Tuan Anh, Direktorin von Viet Nature. „Sie steht für die Wiederherstellung eines Teils unseres natürlichen Erbes. Dieses Projekt zeigt, wie Naturschutz, Wissenschaft und lokale Gemeinschaften gemeinsam verlorene Werte wiederaufbauen können.“

    Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) koordiniert aus dem Zoo Prag die Zucht in europäischen Einrichtungen und stellt sicher, dass eine genetisch vielfältige Population für das Projekt zur Verfügung steht. „Das koordinierte Management der europäischen Population war die wichtigste Basis, um an diesen Punkt zu kommen“, sagt Veronika Zahradníčková, EEP-Koordinatorin im Zoo Prag. „Durch gezielte Zucht und langfristige genetische Planung konnten wir eine stabile und gesunde Population erhalten. Die Bereitstellung von Tieren für dieses Projekt ist ein wichtiger Meilenstein und ein entscheidender Schritt zur Wiederherstellung der Art in ihrem Lebensraum.“

    Die Initiative wird von einem internationalen Netzwerk getragen, das Expertise aus Tierhaltung, Forschung und Naturschutz bündelt und eng mit Partnern vor Ort zusammenarbeitet. „In Vinpearl Safari Phú Quốc verstehen wir unsere Rolle als Aufbau eines starken regionalen Zentrums für den Vietnamesischen Fasan - als Ergänzung internationaler Bemühungen und als Grundlage für ein nachhaltiges Management im Ursprungsgebiet. Durch ein gesichertes Zuchtzentrum in Vietnam reduzieren wir Risiken, stärken die Widerstandsfähigkeit und schaffen die Voraussetzungen für eine langfristige Erholung der Art in der Natur“, sagt Lưu Chí Hiếu, General Manager von Vinpearl Safari Phú Quốc.

    „Nur sehr wenige Arten erhalten eine zweite Chance wie diese“, sagt Jo Gregson, Vorsitzende der World Pheasant Association. „Der Vietnamesische Fasan zeigt eindrucksvoll, dass langfristige Schutzmaßnahmen selbst unter schwierigen Bedingungen echte Perspektiven für eine Erholung der Bestände schaffen können.“ Die Initiative „Bring Back Blue“ steht damit für die langfristige Wirkung internationaler Zusammenarbeit im Artenschutz und für die Möglichkeit, eine verlorene Art Schritt für Schritt in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzubringen.

    Weitere Hintergrundinformationen stehen unter folgenden Links zur Verfügung:

    Zoo Berlin – Artenschutzprojekte: https://www.zoo-berlin.de/de/artenschutz/weltweit/vietnamesischer-fasan

    (deutsch)

    Zoo Prag (EEP-Koordination): https://www.zoopraha.cz/gazella/vydani-casopisu/15292-gazella-special-issue-vietnam-pheasant

    (englisch)

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