Im Zoo Berlin gibt es seltenen Nachwuchs. Am 13. Mai wurde im Reich der Jäger ein Margay-Jungtier geboren. Besonders außergewöhnlich dabei ist, dass die ersten Lebensminuten des kleinen Kletterkünstlers von einer Wildkamera aufgezeichnet wurden. Nach einer Tragzeit von rund 82 Tagen wurde das Jungtier am 13. Mai geboren. Wie für Margays typisch, brachte Mutter Açailândia nur ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillinge sind bei dieser Art äußerst selten. Anders als beispielsweise Hauskatzen besitzen Margays lediglich zwei Zitzen, wodurch größere Würfe kaum Überlebenschancen hätten.
Mutter Açailândia wurde 2020 im französischen Zoo Parc des Félins geboren und kam Ende 2021 nach Berlin. Vater Sammi stammt aus dem britischen Shaldon Wildlife Trust und lebt seit 2022 im Zoo Berlin. Gemeinsam sorgt das Paar nun für einen historischen Moment. Bei dem Jungtier handelt es sich um den ersten Margay-Nachwuchs in der über 180-jährigen Geschichte des Zoo Berlin. „Die Geburt dieses Jungtieres ist für uns etwas ganz Besonderes“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „Margays werden nur selten in zoologischen Einrichtungen gehalten und noch seltener erfolgreich gezüchtet. Dass wir nun erstmals Nachwuchs bei dieser faszinierenden Wildkatzenart verzeichnen können, ist ein großartiger Erfolg für die Tierpflegerinnen und Tierpfleger im Reich der Jäger.“ Diese haben über zweieinhalb Jahre mit Wildkameras und speziellen Wildtiermikrofonen das Verhalten der streng nachtaktiven und somit schwer zu beobachtenden Margays aufgezeichnet und in stundenlanger Kleinarbeit ausgewertet. „Unser Ziel war es, die Paarungsrufe des Weibchens zu belauschen, um die beiden streng einzelgängerisch lebenden Individuen zum exakt richtigen Zeitpunkt zusammenzubringen. Dass die Mutter ihr Jungtier nun so souverän aufzieht, ist ein mehr als toller Lohn für die vielen Extrastunden und nächtlichen Beobachtungen“, freut sich Dr. Florian Sicks, Säugetier-Kurator im Zoo Berlin.
Die Margay, auch Baumozelot oder Langschwanzkatze genannt, zählt zu den kleineren Wildkatzen Mittel- und Südamerikas und gilt laut der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als potenziell gefährdet („Near Threatened“). Die nachtaktiven Tiere leben überwiegend verborgen in tropischen Regenwäldern von Südmexiko bis Argentinien und verbringen einen Großteil ihres Lebens in den Baumwipfeln. Dort jagen sie unter anderem Vögel, kleine Säugetiere, Eidechsen und Insekten. Mit ihrem langen Schwanz balancieren sie geschickt zwischen den Ästen. Dank ihrer besonders beweglichen Fußgelenke können sie sogar kopfüber Bäume hinabsteigen oder sich elegant von Ast zu Ast hangeln. Eine Fähigkeit, die unter Katzen äußerst selten ist. Zu den größten Bedrohungen zählen Lebensraumverlust durch die Zerstörung der Regenwälder, Straßenverkehr, illegale Jagd und Wildtierhandel. Doch die gute Nachricht ist: Sorgsam umgesetzte internationale Schutzmaßnahmen greifen. Zwischen 1977 und 1989 wurden im internationalen Handel noch 121.189 Felle des Baumozelots erfasst. Nachdem der Margay im Jahr 1990 in den höchsten Schutzstatus aufgenommen wurde, wurden bis 2008 nur noch 26 und seitdem sogar gar keine Felle mehr registriert.
In europäischen Zoos leben derzeit lediglich 56 Margays in 24 Einrichtungen. In Deutschland ist die seltene Wildkatze neben Berlin nur in zwei weiteren Zoos zu sehen. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) sieht in den kommenden Jahren dringenden Handlungsbedarf: Um die Population langfristig stabil zu halten, werden weitere erfolgreiche Nachzuchten benötigt. Das aktuelle Berliner Jungtier leistet hierbei einen wichtigen Beitrag.


