Für den Zwergflusspferd-Nachwuchs im Zoo Berlin gab es gestern eine besondere Premiere: Passend zum bevorstehenden Sommerwetter am Pfingstwochenende durfte das am 9. Mai 2026 geborene Jungtier erstmals hinter den Kulissen der Hippo Bay unter freiem Himmel ein Bad nehmen. Mit wackelnden Öhrchen und großer Neugier erkundete es aufmerksam die neue Umgebung.
Der Wonneproppen entwickelt sich weiterhin hervorragend. „Die Kleine trinkt zuverlässig und nimmt stetig zu. Bei einer aktuellen Gewichtskontrolle brachte sie bereits 10 Kilogramm auf die Waage und hat damit das Geburtsgewicht von 5,9 kg innerhalb von 10 Tagen fast verdoppelt “, erklärt Säugetier-Kurator Dr. Florian Sicks. Der Nachwuchs hält sich derzeit gemeinsam mit Mutter Debbie im geschützten Backstage-Bereich auf, wo er zunehmend selbstbewusst seine Umgebung erkundet. Gerade die ersten Lebenswochen sind bei Zwergflusspferden besonders sensibel. Umso wichtiger ist die ruhige und erfahrene Betreuung durch Mutter Debbie, die sich erneut ausgesprochen fürsorglich zeigt. Obwohl Zwergflusspferde weniger Zeit im Wasser verbringen als ihre größeren Verwandten, ist ausreichend Feuchtigkeit wichtig für die Tiere. Ihre empfindliche Haut produziert ein spezielles Sekret, das sie vor Austrocknung schützt, als natürlicher Sonnenschutz wirkt und zudem antibakterielle Eigenschaften besitzt. Beim Kontakt mit Wasser schäumt es weißlich auf – ein natürlicher Schutzmechanismus, der auch bei der ersten „Plansch-Session“ des Jungtiers gut sichtbar wurde. Für das Tierpflege-Team sind solche Badeeinheiten weit mehr als ein niedlicher Anblick; sie unterstützen die Hautpflege der Tiere und helfen zugleich, den Nachwuchs behutsam an das neue Element heranzuführen. Bis der kleine Newcomer für die Zoo-Gäste sichtbar sein wird, braucht es allerdings noch etwas Geduld.
„Spätestens seit Toni wissen wir, wie groß die internationale Fangemeinde von Zwergflusspferden ist“, sagt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „Unser niedlicher Nachwuchs tritt in große Fußstapfen. Tatsächlich zählen Zwergflusspferde zu den seltensten Großsäugern Afrikas. Laut der Weltnaturschutzunion IUCN leben in den Regenwäldern Westafrikas weniger als 2.500 erwachsene Tiere.“ Abholzung, Bergbau und die zunehmende Umwandlung von Waldflächen in landwirtschaftliche Nutzgebiete setzen den scheuen Bewohnern von Wald- und Sumpfgebieten massiv zu. In mehreren Regionen, darunter Nigeria, gilt die Art bereits als ausgestorben. Jedes Jungtier ist daher ein bedeutender Erfolg für das internationale Erhaltungszuchtprogramm dieser stark gefährdeten Tierart.
Hintergrund
Der Zoo Berlin engagiert sich seit mehr als einem Jahrhundert in der Haltung und Zucht von Zwergflusspferden. Bereits 1921 gelang hier die europäische Erstzucht der stark gefährdeten Tierart. Zwergflusspferde leben überwiegend einzelgängerisch, weshalb männliche Tiere nicht an der Aufzucht beteiligt sind. Internationale Erhaltungszuchtprogramme zoologischer Einrichtungen leisten einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt der Art und schaffen zugleich Aufmerksamkeit für den Schutz ihrer natürlichen Lebensräume. Dank Publikumsliebling Toni konnte der Zoo Berlin im Rahmen einer Charity-Auktion 2024 mehr als 5.000 Euro an das Pygmy Hippo Project der Gola Rainforest Conservation in Sierra Leone überweisen. Die Spendenaktion zugunsten der bedrohten Zwergflusspferde sorgte bei allen Projektbeteiligten vor Ort für große Freude. Mit der Auktionsspende wurden Maßnahmen im Gola Rainforest Nationalpark finanziert, um die dort lebenden Zwergflusspferde besser zu schützen.
Ergänzend dazu unterstützt der Zoo Berlin ein aktuelles Schutz- und Forschungsprojekt im Herkunftsgebiet der Zwergflusspferde in der Elfenbeinküste. Ziel des Vorhabens ist es, die Verbreitung der Art in zwei zentralen Schutzgebieten neu zu erfassen und damit eine wichtige Grundlage für die geplante Aktualisierung der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN zu schaffen. Im Fokus stehen dabei die Cavally Nature Reserve im Westen sowie die Dassioko Classified Forest im Südwesten des Landes. Im Rahmen des Projekts arbeiten zwei Masterstudierende mit dem Einsatz von Kamerafallen, um die Präsenz der Zwergflusspferde zu bestätigen oder auszuschließen und zugleich Einflussfaktoren auf ihre Verbreitung zu analysieren. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, bestehende Wissenslücken zur aktuellen Verbreitung der Zwergflusspferde zu schließen und künftige Schutzmaßnahmen wissenschaftlich fundiert zu unterstützen.




