Ein Bergbongo aus dem Zoo Berlin ist in Kenia angekommen und wird Teil eines ambitionierten Wiederansiedlungsprojekts, das eine der am stärksten bedrohten Antilopenarten der Welt vor dem Aussterben retten soll. Gemeinsam mit drei weiteren männlichen Tieren aus anderen europäischen Zoos wurde die seltene Antilope am Flughafen von Nairobi offiziell empfangen und anschließend in die Mount Kenya Wildlife Conservancy (MKWC) überführt. Dort werden die Bullen künftig eine zentrale Rolle im internationalen Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm für diese stark bedrohte Art spielen.
Der 2023 geborene Bongobulle namens Kundu ist Teil einer koordinierten Artenschutzinitiative in Zusammenarbeit mit dem Kenya Wildlife Service und der European Association of Zoos and Aquaria. Ziel ist es, die genetische Vielfalt der verbliebenen Population zu stärken und langfristig stabile Bestände im natürlichen Lebensraum aufzubauen. „Es ist kaum vorstellbar, dass von diesen beeindruckenden Tieren nur noch so wenige Individuen in ihrem natürlichen Lebensraum leben. Als moderne zoologische Einrichtung tragen wir eine besondere Verantwortung und freuen uns sehr, Teil dieses internationalen Projekts zu sein. Zoologische Einrichtungen leisten seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Art, indem sie durch koordinierte Zuchtprogramme eine stabile Reservepopulation aufgebaut haben, die heute die Grundlage für Wiederansiedlungen wie in Kenia bildet“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem.
Der Bergbongo gehört zu den seltensten Antilopen der Welt und ist ausschließlich in den Bergwäldern Kenias beheimatet. Laut der International Union for Conservation of Nature (IUCN) gilt die Art als stark gefährdet. Schätzungen gehen davon aus, dass nur noch rund 100 Tiere in der Wildnis leben, deren Populationen zudem stark fragmentiert sind. Hauptursachen für den drastischen Rückgang sind Wilderei, Lebensraumverlust durch Abholzung und landwirtschaftliche Nutzung sowie Krankheiten. „Die Rückkehr dieser vier Tiere stärkt Kenias Naturschutzbemühungen und verbessert unsere Fähigkeit, überlebensfähige und genetisch vielfältige Populationen des Bergbongos wieder aufzubauen“, erklärte der Generaldirektor des Kenya Wildlife Service, Dr. Erustus Kanga, anlässlich der Ankunft. Auch aus Sicht der beteiligten Zoos ist der Transfer ein bedeutender Meilenstein: „Dieser Transfer ist das Ergebnis jahrelanger Planung und Partnerschaft“, betonte Dr. Nick Davis vom Chester Zoo und Koordinator des europäischen Zuchtprogramms.
Nach umfangreichen veterinärmedizinischen Untersuchungen und einer Quarantäne im Safari Park Dvůr Králové wurden die Tiere nach Kenia transportiert. In der Mount Kenya Wildlife Conservancy werden sie nun schrittweise in das bestehende Zuchtprogramm integriert. Die Einrichtung beherbergt bereits über 100 Bergbongos und gilt als eines der weltweit erfolgreichsten Programme zur Erhaltung dieser Art. Langfristig sollen die Nachkommen der Tiere wieder in geschützte Waldgebiete ausgewildert werden. Mit der Ankunft des Berliner Bongos setzt sich ein bedeutender Schritt fort, den der Zoo Berlin gemeinsam mit internationalen Partnern begonnen hat: die Rückkehr einer stark bedrohten Art in ihren natürlichen Lebensraum und die langfristige Sicherung ihres Überlebens.
© Petr Topic / Safari Park Dvůr Králové (Fotos der Abreise) und © Kenya Wildlife Service/Mount Kenya Wildlife Conservancy (Fotos und Videos der Reise und Ankunft in Kenia).


