Drachenzähmen leicht gemacht?

Zwischen Mythos und Wirklichkeit: Komodowaran Drakaris zieht nach Berlin

    Er stammt nicht aus Westeros, sondern aus Spanien. Mit Drakaris bereichert fortan ein junger Komodowaran den Zoo Berlin. Das etwa 1,35 Meter lange Männchen zieht aus dem Bioparc Fuengirola nach Deutschland und ist ab diesem Wochenende im Reich der Jäger zu sehen. Noch ähnelt der Neuberliner zugegebenermaßen eher dem kleinen Tabaluga als einem mächtigen, furchteinflößenden Drachen.

    So bleibt Drakaris mit seinen aktuell 3,8 Kilogramm deutlich unter den beeindruckenden Ausmaßen ausgewachsener Artgenossen, doch steht ihm noch Großes bevor. Komodowarane gelten als die größten Echsen der Welt und können ausgewachsen über drei Meter lang und bis zu 80 Kilogramm schwer werden. Mehr als die Hälfte ihrer Körperlänge entfällt dabei auf den kräftigen Schwanz, ein wichtiges Werkzeug für Balance und Verteidigung. Den Namen „Komododrachen“ verdanken Sie ihren Ähnlichkeiten mit den bekannten Fabelwesen: Klauen, Schuppen, gespaltene Zunge und ihr tödlicher Biss erinnern an die mystischen Fantasiewesen aus Legenden und Filmen. Der Name des Berliner Neuzugangs ist daher sehr passend angelehnt an die Serie Game of Thrones in der der Begriff „Dracarys“ aus der valyrischen Sprache stammt und wörtlich „Drachenfeuer“ bedeutet. „Wenn ein Komodowaran einzieht, dann bringt er natürlich eine gewisse Drachen-Ästhetik mit sich, auch wenn unser Drakaris aktuell noch eher ein kleiner Drache ist “, berichtet Reptilien-Kurator Markus Klamt. „Gerade das macht es aber so spannend. Besucherinnen und Besucher können seine Entwicklung bei uns über die nächsten Jahre hinweg miterleben, denn erst mit etwa neun Jahren sind Komodowarane vollständig ausgewachsen und geschlechtsreif.“

    Komodowarane stammen von den indonesischen Inseln Komodo, Rinca, Flores, Gili Dasami und Gili Motang. Dort leben sie als Spitzenprädatoren und jagen alles von kleinen Säugetieren bis hin zu großen Huftieren. Mit ihrer gespaltenen Zunge nehmen sie Gerüche wahr und können Beute über mehrere Kilometer wittern. Trotz ihres massigen Körpers sind sie überraschend schnelle Jäger. Die Jagd auf große Säugetiere wird durch ein in spezialisierten Drüsen im Unterkiefer produziertes Gift unterstützt, welches unter anderem die Blutgerinnung verringert und einen Schock verursacht. Entflohene Beute kann an diesem Gift auch noch nach Tagen zugrunde gehen. Die Zähne der Komodowarane besitzen eine eisenhaltige Beschichtung, die ihnen eine auffällige orange Färbung verleiht und vermutlich dazu beiträgt, die Schärfe und Widerstandsfähigkeit der Zähne zu erhöhen. Die Echsen können pro Mahlzeit bis zu 80 Prozent ihres Körpergewichts fressen. Da sie auch kleinere Artgenossen jagen, verbringen Jungtiere ihre ersten Lebensjahre überwiegend in den Bäumen. Mit der Körpergröße wächst ihr Beuteschema. Ein ausgewachsener Komodowaran kann ein 30-Kilogramm-Wildschwein in nur 17 Minuten verputzen. Danach sind die Tiere oft für bis zu zwei Wochen satt.  

    Trotz ihrer Stärke sind Komodowarane bedroht. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt sie als stark gefährdet. Lebensraumverlust, menschliche Eingriffe und die Folgen des Klimawandels setzen den Populationen zunehmend zu. Zoologische Einrichtungen wie der Zoo Berlin leisten daher einen wichtigen Beitrag zum Schutz und Erhalt der Art. „Komodowarane gehören zu den faszinierendsten Reptilien überhaupt. Sie verbinden eine urzeitlich anmutende Erscheinung mit hochspezialisierter Anpassung. Daher freue ich mich sehr, dass sich mit Drakaris die Geschichte von Komodowaranen in Berlin fortsetzt“, sagt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „Der Bestand des Komodowarans wird meist mit etwa 4000 Exemplaren angegeben, könnte mittlerweile jedoch auf unter 3000 gesunken sein. Umso wichtiger ist es, auf die Bedrohung dieser außergewöhnlichen Tiere aufmerksam zu machen und Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit zu geben, ein Stück lebendige Urzeit hautnah zu erleben.“ Außer in Berlin werden die großen Echsen deutschlandweit nur noch in zwei anderen zoologischen Einrichtungen gehalten.

    Hintergrund

    1980 wurde zum Schutz des Komodowarans der Nationalpark Komodo gegründet, später wurden noch im Westen von Flores das Wae Wuul Reserve und im Norden das Wolo Tado Reserve gegründet. Die Tiere sind in Indonesien streng geschützt. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) listet den Komodowaran in Anlage I, somit ist ohne Sondergenehmigungen jeglicher Handel mit lebendigen Komodowaranen oder Körperteilen von ihnen (z. B. Häute) verboten.

    Der erste Komodowaran in Berlin war das Männchen Moritz, das von 1927 bis 1943 im Aquarium Berlin lebte und trotz seiner Drachengestalt ein sehr friedliches Wesen hatte. Die Haltung von Komodowaranen war damals, kurz nach ihrer Entdeckung für die westliche Welt, eine Sensation. Moritz folgte seinem Pfleger wie ein Hund durch alle Etagen des Hauses. Nach dem Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Aquariums war erst 1984 wieder ein Komodowaran in Berlin zu sehen. Ein Weibchen traf als Staatsgeschenk durch die Vermittlung von Bundeskanzler Helmut Kohl ein, 1991 folgte ein Männchen. Mit der Ankunft von Drakaris ist der Zoo Berlin nun einer von insgesamt nur drei Zoologischen Gärten in Deutschland, in denen die seltenen Echsen leben.

    Öffnungszeiten

    Heute, 12. Juni
    9:00 - 18:30 Uhr
    Letzter Einlass: 17:00 Uhr
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