Zoo-News

Auge in Auge mit einem Löwen

Der Umbau des Raubtierhauses im Zoo Berlin hat begonnen

Kinderhand trifft auf Löwenpranke – nur wenige Zentimeter Glas trennen die beiden voneinander. Einige Meter weiter erklimmt ein stattlicher Leopard einen Baumstamm – im Raubtierhaus des Zoo Berlin wird sich in den kommenden Monaten einiges ändern. Am 7. März 2018 starteten die großen Umbauarbeiten.

Bisher waren die Anlagen der Großkatzen im Zoo Berlin hauptsächlich von Gittern und Fliesen geprägt. Da sich dies mittlerweile deutlich von den Ansprüchen einer modernen Zootierhaltung unterscheidet, wird nun das gesamte Raubtierhaus großzügig umgebaut. Innerhalb von knapp eineinhalb Jahren Bauzeit sollen naturnah gestaltete Anlagen entstehen – Gitter werden durch Glasscheiben, Fliesen durch Kunstfelsen ersetzt. Dabei erhalten vor allem die Großkatzen, durch die Zusammenlegung mehrerer ehemaliger Käfige sowie die Vorverlagerung einiger Anlagen in den Besucherbereich, mehr Raum. Eine thematisierte Gestaltung wird darüber hinaus den natürlichen Lebensraum der jeweiligen Bewohner widerspiegeln. So werden beispielsweise die Jaguare zukünftig die Möglichkeit haben, an einer südamerikanischen Wasserstelle zu baden.

Besucher dürfen sich in dem über 5.000 m² großen Haus auf ein spannendes Edutainment-Angebot rund um die verschiedenen Katzen freuen. Außerdem werden einige bodentiefe Panoramascheiben es ermöglichen, den Bewohnern deutlich näher zu kommen. Dank entsprechender Lochbleche soll es zudem weiterhin möglich sein, die Tiere mit unterschiedlichen Sinnen wahrzunehmen – so wird das Löwengebrüll im Raubtierhaus auch in Zukunft für Gänsehaut sorgen. Dabei bleibt die frühere Struktur des Hauses erhalten, wobei die Verlegung sowie Umstrukturierung der Eingänge für eine eindeutige Besucherwegeführung sorgen wird. Es werden hierfür unter anderem zwei der bisherigen Eingänge geschlossen und es entsteht ein neuer Haupteingang an der nördlichen Stirnseite des Hauses. Die äußerliche Erscheinung des Gebäudes wird durch Felsstrukturen einladender gestaltet.

Auch an den Außenanlagen der Raubtiere im Zoo Berlin wird sich einiges verändern. Die bisherigen Käfigstrukturen werden aufgelöst. Durch Zusammenlegungen und Netzkonstruktionen werden sich die Anlagen künftig großzügiger und luftiger präsentieren. Durch die Errichtung einer Schall- und Staubschutzwand sowie die Aufteilung der Arbeiten in drei Bauabschnitte ist ein Umbau sogar ohne einen vorherigen Auszug aller Tiere möglich.

Am 7. März 2018 hat Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem das erste Gitter des ehemaligen Außenkäfigs der Jaguare demontiert und so den offiziellen Baustart symbolisiert. „Der Umbau und die Modernisierung des Raubtierhauses waren schon lange überfällig“, erklärt Knieriem. „Umso mehr freue ich mich, dass unsere neuen Anlagen die Vorgaben des aktuellen Gutachtens zur Haltung von Säugetieren deutlich übertreffen werden.“ Darüber hinaus ist es ein großer Wunsch, auf den gegenüberliegenden Seiten des Raubtierhauses jeweils eine weitere Anlage für Leoparden sowie Jaguare zu errichten.

Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für Sommer 2019 geplant. Der Zoo kann den Umbau dank zahlreicher Spenden und Erbschaften selbst finanzieren. Nach aktuellem Planungsstand betragen die Baukosten rund 8 Millionen Euro. Darüber hinaus sollen zusätzliche Kosten, wie für die Didaktik und die Erweiterung der Außenanlagen, durch Mittel der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) getragen werden, wofür aktuell bereits Abstimmungsprozesse laufen. Nach der Fertigstellung werden neben den vier Großkatzenarten – Löwen, Sibirische Tiger, Persische Leoparden und Jaguare – unter anderem auch Servale im Raubtierhaus zu sehen sein.