Zoo-News

Blick in die Vergangenheit des Zoo Berlin

Ausstellung im Antilopenhaus zeigt Zoogeschichte aus einer neuen Perspektive.

Der Zoo Berlin stellt sich einer schwierigen und längst überfälligen Aufgabe. Im Auftrag des Aufsichtsrates der Zoologische Garten Berlin AG hat der Historiker Dr. Clemens Maier-Wolthausen die spannende, knapp 175-jährige Geschichte von Deutschlands ältestem Zoo aufgearbeitet. Er wurde dabei von einem externen Beirat beraten. Die Ergebnisse werden ab sofort in einer kostenlosen Dauerausstellung im Antilopenhaus des Zoos präsentiert.

Den Besuchern wird nun anschaulich präsentiert, wie aus der Menagerie Friedrich Wilhelms III. auf der Pfaueninsel mit viel bürgerschaftlichem Engagement der artenreichste Zoo der Welt und die wichtigste Freizeiteinrichtung Berlins wurde. In der kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Ausstellung werden auch die Kapitel der Zoogeschichte nicht übergangen, die Anlass zu einer kritischen Reflektion geben. Das bedeutet: Völkerschauen und Anpassung an nationalsozialistische Ideologie sind ebenso Teil der Zoogeschichte, wie Verbesserung der Haltungsbedingungen und berühmte Tierpersönlichkeiten.

„Wir freuen uns die 172 Jahre Zoogeschichte in unserem Antilopenhaus zu präsentieren. Das schönste und älteste, rekonstruierte Gebäude des Originalzoos empfinden wir als einen würdigen Platz für diese wichtige Ausstellung“, beschreibt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem den Ort der Ausstellung. „Wir möchten, dass sich alle Besucher angeregt fühlen, mehr über unsere Geschichte zu erfahren und hoffen, dass wir unser Anliegen mit dieser Dauerausstellung auch einem größeren Besucherkreis näherbringen können.“ Im Foyer des ältesten erhaltenen Gebäudes des Zoos zeigt die Ausstellung auf etwa 130 qm die Geschichte einer Berliner Bildungseinrichtung. Zentral in ihrer Mitte wird das schmerzhafte Kapitel der Anpassung des Zoos an das nationalsozialistische Regime thematisiert.

Bislang wurde Zoogeschichte in der Regel als eine Reihe von Anekdoten der »große Männer« beschrieben. „Nicht selten sind Bücher über Zoos nach den Ären der Direktoren gegliedert – der Berliner Zoo machte da keine Ausnahme“, erklärt der Kurator der Ausstellung, Dr. Clemens Maier-Wolthausen, die bisherige Herangehensweise. Doch mit dieser Tradition will er nun brechen: „Weil der Zoo mit der Geschichte der Stadt Berlin eng verbunden ist, dient diese auch als roter Faden, an der sich die Ausstellung orientiert.“

Um die Unabhängigkeit der Inhalte zu gewährleisten, wurde ein wissenschaftlicher Beirat aus prominenten Forschern zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und insbesondere zur Geschichte des Nationalsozialismus und zum Antisemitismus herangezogen. Dieser begleitete stetig die Erstellung des Manuskripts für die Ausstellung. Recherchen zur Ausstellung begannen vor mehr als einem Jahr. Die Ausstellung hat 120.000 Euro gekostet.

Im Bewusstsein seiner historischen Verantwortung finanziert der Zoo Berlin außerdem ein Fellowship-Programm, dessen Ziel die Stärkung des wissenschaftlichen Austausches zwischen Israel und Deutschland ist. Im Oktober 2016 konnte Berlin bereits den ersten Stipendiaten begrüßen. Das Programm richtet sich nicht nur an junge Wissenschaftler, die eine Doktorarbeit im Bereich Veterinärmedizin, Biologie, Wild- und Zootierforschung verfassen, auch Doktoranden in den Fächern Ethik und Geschichte sollen unterstützt werden. Mit diesem Programm wird Promotionsstudierenden aus Israel ein 3 -12-monatiger Forschungsaufenthalt in Berlin ermöglicht. Die nächste Stipendiatin wird im März 2017 in Berlin eintreffen. Das Bewerbungsverfahren für weitere Stipendiaten läuft derzeit. Der Zoo Berlin steht in engem Austausch mit Stipendiaten, der Freien Universität Berlin sowie der Hebrew University of Jerusalem.