Titicaca-Riesenfrosch

Der Zoo Berlin hilft bei der Erforschung des stark bedrohten Titicaca-Riesenfrosches in Bolivien.

STECKBRIEF

Name des Projekts:
Bolivian Amphibian Initiative

Tierart:
Titicaca-Riesenfrosch (Telmatobius culeus)

Bedrohungsstatus laut IUCN:
Vom Aussterben bedroht (CR)

Einsatzort:
Titicacasee, Bolivien

Größte Bedrohung durch:
Wasserverschmutzung, Überfischung des Sees

Lösungsansatz:
Erforschung der Ursachen für den Rückgang, Errichten von Schutzgebieten

Riesenfrosch mit XXL-Haut
Der Titicaca-Riesenfrosch ist der größte ausschließlich im Wasser lebende Frosch der Welt. Er kann eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 20 Zentimetern aufweisen. Aufgrund seiner auffälligen Haut sieht er so aus, als würde er einen viel zu großen Taucheranzug tragen, der sich durch den Wasserdruck eng und in großen Falten an seinen Körper drückt. Doch dieser scheinbar übergroße Anzug erfüllt eine wichtige Funktion: Amphibien können über ihre Haut Sauerstoff aufnehmen.

Sein Zuhause: Ein einziger See
Der Titicacasee ist der größte See Südamerikas und liegt in den Anden von Bolivien und Peru. Er ist der einzige Ort auf der Welt, an dem der Titicaca-Riesenfrosch lebt.  Sauerstoff ist in seinem natürlichen Lebensraum, auf einer Höhe von 3.810 Metern, knapp. Die faltige, große Hautoberfläche ermöglicht dem hoch spezialisierten Nischenbewohner dort eine bessere Sauerstoffaufnahme. Obwohl – oder gerade weil – der Riesenfrosch sich so sehr an seine Umwelt angepasst hat, gilt er inzwischen als die am stärksten gefährdete Amphibienart Boliviens.

Gefährliche Gewässer
Der Schutz von Amphibien wird in den nächsten Jahren eine große Herausforderung für zoologische Einrichtungen werden, denn insbesondere in Südamerika ist eine große Anzahl von Amphibien ganz akut vom Aussterben bedroht. Die Gründe für die Bedrohung liegen vor allem in der Ausbreitung des für Amphibien tödlichen Chytridpilzes, aber auch die Verunreinigung der Gewässer mit Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln aus der Agrarindustrie trägt zur Gefährdung der Tiere bei.

Das Verschwinden der Frösche
Der Titicaca-Riesenfrosch ist zusätzlich durch die Fischerei bedroht: Einerseits verendet er oft als Beifang, zum anderen findet er durch den stark zunehmenden Fischfang nur noch wenig Nahrung. Als Jacques-Yves Cousteau in den 1970er Jahren den Grund des Titicacasees erkundete, berichtete er von Tausenden vom Titicaca-Riesenfröschen am dem Grund des Sees. In den letzten drei Jahrzehnten ist die Population der Frösche um 80% zurückgegangen.  Daher wird er auf der Roten Liste der IUCN als akut vom Aussterben bedroht eingestuft.

Schutzbemühungen in der Vergangenheit
Eine erste Pilotstudie der ‚Asociación Armonía - BirdLife International’ untersuchte die diversen Ursachen für den Rückgang der Art. Im Rahmen dieser Studie wurde zunächst das Ausmaß der gefangenen und getöteten Tiere ermittelt. Auch die wichtigsten Laichplätze der Frösche wurden ausfindig gemacht, um dort gezielt mit Schutzmaßnahmen anzusetzen. Seit 2011 wurde auch der Chytridpilz im abgelegenen Titicacasee nachgewiesen. Die Ausbreitung des für Amphibien tödlichen Pilzes wurde ebenfalls untersucht. Im Anschluss wurde ein Monitoring-Programm, Umweltbildungsmaßnahmen für die lokalen Gemeinden und die Unterstützung eines Zuchtprogramms für den Titicaca-Riesenfrosch eingeführt.

Rätselhaftes Massensterben
Ein alarmierendes Massensterben wurde 2015 auf der bolivianischen Seite des Titicacasees beobachtet, welche sich auf eine Fläche von 500 km² erstreckt. Deshalb unterstützt der Zoo Berlin gemeinsam mit der Stiftung Artenschutz Maßnahmen zum Schutz des Titicaca-Riesenfrosches in Bolivien. Die Bolivian Amphibian Initiative ist ein Projekt, welches Notfallhilfe für den Titicaca-Frosches leistet. Es ist aus einer Kooperation zweier Bildungseinrichtungen entstanden, dem Museo de Historia Natural Alcide d’Orbigny und der Fundación para las Ciencias. Ziel des Projektes ist es, die Situation dieser Frösche in der Wildnis besser zu verstehen und eine erfolgreiche Nachzucht in menschlicher Obhut aufzubauen, damit diese einzigartige Spezies in Zukunft wieder in geeigneten Schutzgebieten ausgewildert werden kann.

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