Sulawesi-Hirscheber

Der Zoo Berlin engagiert sich für den Schutz der Sulawesi-Hirscheber in Indonesien.

STECKBRIEF

Name des Projekts:
Nantu Forest Ecosystem

Tierart:
Sulawesi-Hirscheber (Babyrousa celebensis)

Bedrohungsstatus laut IUCN:
Gefährdet (VU)

Einsatzort:
Nantu Forest, Sulawesi, Indonesien

Größte Bedrohung durch:
Verlust des Lebensraumes, Wilderei

Lösungsansatz:
Schutz des Lebensraumes durch Errichten von Schutzgebieten, Sensibilisierung der lokalen Bevölkerung für Natur- und Artenschutz

Hirscheber in Berlin
Hirscheber waren und sind eine echte Seltenheit in europäischen Tiergärten. Nur eine der vier Unterarten wird überhaupt in menschlicher Obhut gehalten, eine davon ist bereits ausgestorben. Derzeit halten neben dem Zoo Berlin nur noch Stuttgart und Wuppertal diese ungewöhnlichen Tiere. Alle drei Einrichtungen beteiligen sich alle am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das am Opel-Zoo Kronberg koordiniert wird und rund 25 Tiere umfasst, darunter nur noch fünf Paare in fortpflanzungsfähigem Alter. Der Zoo Berlin nahm lange Zeit eine Spitzenstellung in der Hirscheberhaltung und –zucht ein. 1905 wurde hier erstmals auf deutschem Boden ein Hirscheber geboren. Nach dem 2. Weltkrieg kam 1978 aus Antwerpen das erste Hirscheberpaar wieder nach Berlin. Von 1982 bis 1998 gelang mehrmals die Aufzucht von Jungtieren. Da - anders als bei Hausschweinen - jedoch immer nur 1-2 Ferkel geboren werden, konnte die Gesamtzahl der Hirscheber in menschlicher Obhut nicht gesteigert werden.

Heimat Sulawesi: Unerforschte Wildnis
Der Hirscheber ist eine urtümliche Gattung der Schweine, die nur auf Sulawesi und einigen vorgelagerten Inseln vorkommen, wo sie seit 1931 laut Gesetz einen Schutzstatus genießen. Der Nantu Forest ist mit einer Größe von 62.000 ha eines der letzten zusammenhängenden Regenwaldgebiete Sulawesis und gleichzeitig eines der letzten Rückzugsgebiete für den bedrohten Hirscheber. Neben dem Hirscheber leben in diesem Ökosystem zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten, von denen viele noch gar nicht wissenschaftlich beschrieben sind. In Forschungsarbeiten, welche vom Zoo unterstützt werden, werden die neuen Arten systematisch aufgenommen. Viele von Ihnen sind nur in diesem Gebiet zu finden und zählen damit zu den sogenannten „endemischen“ Arten.

Berühmt für seine Endemiten
Mehr als 60% Prozent der Säugetiere auf Sulawesi kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor, gleiches trifft auf ein Drittel aller Vogelarten zu. Damit gilt Sulawesi bei internationalen Artenschutzexperten als einer der weltweiten „Hotspot“ der biologischen Vielfalt. Zu den gefährdeten Säugetierarten der Insel gehören neben dem Hirscheber auch die seltenen Anoas und die kleinen Koboldmakis. Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Nantu Forest noch viele weitere, bisher unentdeckte Arten leben.

Wilderer bedrohen den Bestand
Hirscheber sind durch den Verlust ihres Lebensraums und illegale Bejagung gefährdet. Ihr Bestand sinkt stetig, obwohl die Religion der lokalen Bevölkerung eher einen Vorteil für ihn bedeuten könnte. Die Einwohner Sulawesis sind größtenteils muslimischen Glaubens und der Verzehr von Schweinefleisch kommt für sie nicht in Frage. Doch im nördlichen Teil der Insel, in dem sich auch der Nantu Forest befindet, ist der Christentum die vorherrschende Religion. So stellt die Wilderei weiterhin eine große Gefahr für den Bestand der Hirscheber dar. Allein auf dem Markt von Langoan im Norden Sulawesis wurden im Jahr 2013 62 Hirscheber verkauft. Die Suche nach Gold, Holzfällungen, Brandrodungen und Rattan-Sammlungen zerstören den Lebensraum der Tiere. Dabei geht von illegalen Goldschürfern nach wie vor die größte Bedrohung aus, weil hierzu hochgiftiges Quecksilber verwendet wird, um das Gold freizulegen und dieses dann in die Gewässer gelangt, welches große Gebiete zerstört und verseucht. Die Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und Menschen sind katastrophal.

Hilfe durch Forschung und Bildung
Der Zoo Berlin unterstützt die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) bei ihrem 2001 gestarteten Projekt zur Erhaltung des Lebensraums des Sulawesi-Hirschebers. Ziel des Projekts ist der Schutz des Einzugsgebietes des Paguyaman River. Mehr als 15.000 Kleinbauern leben unterhalb des Einzugsgebiets und sind von der Wasserversorgung dieses Flusses abhängig. Die Spendengelder werden sowohl für die Feldforschung eingesetzt, als auch für den Empfang und die Unterbringung von zahlreichen nationalen und internationalen Forscherteams, sowie Informationsveranstaltungen für Schulkinder und deren Lehrer und die Entwicklung und Bereitstellung von Unterrichtsmaterial für die Grundschulen vor Ort.

Spenden schützen die Vielfalt
Das Projekt wird von den lokalen Behörden unterstützt, Kooperationspartner vor Ort sind das indonesische Forst- und Wissenschaftsministerium sowie zwei örtliche Universitäten. Während der Projektlaufzeit sind zwei Schutzstationen rund um die Uhr und an sieben Tagen der Woche besetzt. Wildhüter patrouillieren täglich, um Goldschürfung, Holzfällungen, Brandrodungen und Wilderei sowie Rattan-Sammlungen zu verhindern. Dank dieser Maßnahmen stehen die Überlebenschancen für den Sulawesi-Hirscheber aktuell recht gut - unter der Voraussetzung, dass sein Lebensraum im Nantu Forest dauerhaft geschützt werden kann. In Planung ist dazu derzeit eine Pufferzone rund um den Nationalpark, um eine weitere Zerstörung des Primärwaldes zu verhindern. Es ist zu erwarten, dass in diesem Gebiet in den nächsten Jahren zahlreiche neue Arten entdeckt und beschrieben werden, was die Bedeutung des Nantu Forest und seine Schutzwürdigkeit zusätzlich verstärkt.

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