Giraffe

Zoo und Tierpark Berlin helfen beim Schutz der Giraffen in Tansania.

STECKBRIEF

Projektpartner:
Wild Nature Institute

Tierart:
Giraffe (Giraffa camelopardalis)

Bedrohungsstatus laut IUCN:
gefährdet (VU)

Einsatzort:
Tansania

Größte Bedrohung durch:
Wilderei, Verlust und Fragmentierung des Lebensraumes

Lösungsansatz:
Erforschung der Entwicklung der Giraffenpopulation zur Ausweisung geeigneter Schutzgebiete, Umweltbildung der lokalen Bevölkerung, Unterstützung von Anti-Wilderer-Einheiten

Lange Hälse in Berlin
Berlin blickt auf eine lange und erfolgreiche Tradition in der Haltung von Giraffen zurück. Die erste Giraffe war 1864 im Zoo Berlin zu sehen. Für die exotischen Raritäten wurde 1889 sogar ein eigenes imposantes Haus gebaut, was noch heute ein Wahrzeichen des Zoologischen Gartens von Berlin ist. Im Tierpark leben die höchsten landlebenden Säugetiere der Welt seit 1960. Das erste Jungtier namens Bummi konnten die Besucher 1968 sehen.

Symbol der Steppe
Giraffen sind in den Steppen Afrikas Zuhause und waren einst weit über den Kontinent verbreitet. Inzwischen kommen diese majestätischen Tiere nur noch sehr vereinzelt in den Ländern südlich der Sahara vor. Seit dem Jahr 2016 zählt die Giraffe (Giraffa camelopardalis) zu den gefährdeten Tierarten. Denn in den letzten 30 Jahren sind ihre Bestände um fast 40% eingebrochen. Außerhalb von Nationalparks sind Giraffen kaum noch anzutreffen und selbst die Ausweisung von Reservaten bietet den Giraffen keinen zuverlässigen Schutz. Dabei sind die neun Unterarten der Giraffe unterschiedlich stark bedroht. Während bei vier Unterarten die Populationen sogar wachsen, und bei einer stabil bleibt, sanken sie bei den übrigen vier Unterarten um bis zu 97%.     

Vom Menschen verdrängt
Die größte Bedrohung stellt für die Giraffe der Verlust ihres Lebensraumes dar. Dieser ist in erster Linie der rasant wachsenden Bevölkerung geschuldet, die einen steigenden Bedarf an Holz, Nahrung und Wasser mit sich bringt. Durch Abholzung der Bäume verschwindet die Hauptnahrungsquelle der Giraffe, das Laub. Auch die intensivere landwirtschaftliche Nutzung lässt ihren Lebensraum schrumpfen. Die zunehmende Trockenheit führt dazu, dass sich immer mehr Menschen in entlegeneren Gebieten ansiedeln, wo es noch genügend Wasser gibt. Dort stehen Mensch und Tier dann in direkter Konkurrenz um das lebensspendenden Nass.

Ertragreiche Beute
Wilderer halten sich nicht an die Grenzen von Schutzgebieten und so werden sie zur einer großen Gefahr für die Giraffen. Anders als beim Nashorn ist die Giraffen in erster Linie aufgrund ihres Fleisches im Visier der Jäger. In vielen der afrikanischen Länder, in denen es keine politische Stabilität gibt, leben unzählige Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Die Beschaffung von ausreichend Nahrung ist für sie keine Selbstverständlichkeit und die riesigen Giraffen liefern eine willkommene Fleischquelle. Mit nur einem erbeuteten Tier ist eine ganze Familie versorgt und Reste können sogar noch gewinnbringend verkauft werden.

Tansanias Nationaltier in Gefahr
Eine der Unterarten, die besonders stark bedroht sind, ist die Massai-Giraffe - das Nationaltier in Tansania. Sie ist im Süden Kenias sowie in Tansania verbreitet und ihr Bestand ging innerhalb der letzten drei Jahrzehnten um über 50% zurück. Das „Wild Nature Institute“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die für die Massai-Giraffe wichtigen Gebiete in der Tarangire-Region in Tansania zu schützen und zu verbinden. Dabei fußt das im Jahr 2012 ins Leben gerufene Giraffenschutzprojekt auf drei Säulen: Forschung, Bildung und Schutz vor Wilderei.

Wissen schaffen und Lösungen finden
Mit Unterstützung der Universität Zürich erforscht das „Wild Nature Institute“ im Rahmen einer der größten Säugetierstudien weltweit, welchen Einfluss die Fragmentierung des Lebensraumes auf die dort lebenden Giraffen hat. Hierzu werden in einer Langzeitstudie Geburten, Todesfälle und Bewegungsdaten von mehr als 3.000 Giraffen erhoben. Dank moderner Computertechnik können die Individuen anhand ihres jeweils einzigartigen Fellmusters auf Fotos identifiziert werden. So wird über Jahre hinweg der Bestand der Giraffen in dem 1.500 km² großen Gebiet sorgfältig überwacht und die Entwicklung der Population genauestens verfolgt. Aus den Ergebnissen dieser Studie sollen wirkungsvolle Schutzmaßnahmen für diese und andere Giraffenpopulationen abgeleitet werden.

Kinder begeistern und Ranger fördern
Darüber hinaus hat das Wild Nature Institute ein Bildungsprogramm ins Leben gerufen, das Schulkinder auf die Bedrohung der Giraffe aufmerksam macht. Hierzu wurden verschiedene Unterrichtsmaterialien entworfen, die bereits an über 5.000 Schulkinder verteilt wurden. Durch gezielte Lehrerfortbildungen wird die Einbindung des Materials in den Unterrichtsplan erreicht. Parallel dazu unterstützt das Wild Nature Institute die Ranger der „PAMS Foundation“ bei ihrem Kampf gegen Wilderei. Die Effektivität der Anti-Wilderer Patrouillen wird wissenschaftlich überprüft und ausgewertet, um so die Durchschlagskraft der Ranger zu maximieren.

Hilfe aus dem Tierpark
Die Zoologischen Gärten Berlin fördern dieses Projekt seit 2017. Die finanzielle Unterstützung soll genutzt werden, um das für die Forschung notwendige Fahrzeug zu unterhalten und einen lokalen Forschungs-Assistenten zu finanzieren. Darüber hinaus wird davon weiteres Unterrichtsmaterial gedruckt und an Schulkinder verteilt sowie Lehrerfortbildungen durchgeführt.

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