Eisbären

Der Zoo Berlin unterstützt die Verhaltensforschung der Eisbären in der Arktis, um dort geeignete Schutzgebiete zu errichten.

STECKBRIEF

Name des Projekts:
Polar Bears International

Tierart:
Eisbär (Ursus maritimus)

Bedrohungsstatus laut IUCN:
gefährdet (VU)

Einsatzort:
Arktis

Größte Bedrohung durch:
Verlust des Lebensraumes durch Klima-Erwärmung

Lösungsansatz:
Erforschung der Verhaltensweisen und Lebensräume

Berliner Bären
Die Berliner haben eine ganz besondere Verbindung zu Eisbären. Schon 1845 – nur ein Jahr nach Eröffnung des Zoos - kam der erste Eisbär nach Berlin. Ab 1951 wurde damit begonnen, zusammen mit dem Zoo Karlsruhe eine systematische Zuchtgruppe aufzubauen. Im Tierpark waren die Eisbären ab 1955 zu sehen. Weltweite Berühmtheit erlangte der 2006 geborene Berliner Eisbär Knut. Wie alle Eisbären in Zoologischen Gärten weltweit haben auch unsere Berliner Eisbären eine wichtige Aufgabe: Sie sind weltweit Botschafter für ihre wildlebenden und bedrohten Verwandten im hohen Norden.

Lebensraum Arktis
„Arktis“ wird die Region rund um den Nordpol genannt, die über dem nördlichen Polarkreis beginnt. Das Gebiet erstreckt sich über das Nordpolarmeer und die nördlichen Teile von drei Kontinenten: Asien, Amerika und Europa. Hier geht die baumlose Tundra in eine Schnee- und Eiswüste über - Temperaturen von bis zu minus 70 Grad Celsius machen dieses Gebiet lebensfeindlich. Doch einige Pflanzen und Tiere haben sich mit beeindruckenden Strategien an diese harten Lebensbedingungen angepasst. Unter ihnen das größte Landraubtier der Welt: Der Eisbär. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze ist er perfekt auf das Leben am eisigen Nordpol eingestellt.

Eis und Schnee sind überlebenswichtig
Nahrung:
Das Eis auf dem Meer braucht der Eisbär, damit er seine Hauptnahrungsquelle, die Ringelrobben, an ihren Luftlöchern überraschen kann. Nur durch die Jagd auf Ringelrobben kann der Eisbär sich die nötigen Fettreserven anfressen. Ohne Eis, keine Luftlöcher - ohne Luftlöcher, keine Chance auf Beute.

Paarung:
Außerdem ist das Eis wichtig, damit sich die Einzelgänger zur Paarung zusammenfinden können. Das Eis schafft Verbindungen zwischen verschiedenen Festlandgebieten und Eisbär-Populationen und ermöglicht so einen Austausch der Gene, die für die nötige Vielfalt sorgen und Inzucht verhindern. Ohne Eis, kein Partner.

Jungtiere:
Eisbären brauchen Schnee zum Bauen der Wurfhöhlen. Dorthin zieht sich die Eisbärmutter im Herbst zurück, um ihre Jungtiere zur Welt zu bringen und aufzuziehen, bis sie im Frühjahr zum ersten Mal hinauskommen. Ohne Schnee, keine Jungtiere.

Schwindende Eismassen
Das Polareis in der Arktis ist nicht nur der Lebensraum der imposanten Raubtiere – es ist auch die „Klimaanlage der Erde“, da es Licht und Wärme der Sonne zurück ins All reflektiert. Geht das Eis zurück, kann weniger Licht reflektiert werden. Der Ozean nimmt stattdessen die Wärme auf und das trägt erheblich zur Änderung des Weltklimas bei. Satellitenaufzeichnung belegen, dass die polaren Eismassen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1979 alle 10 Jahre um mehr als 11 Prozent zurückgehen.

Opfer des Klimawandels
Im Laufe der Erdgeschichte gab es immer wieder Klimaschwankungen, die natürliche Ursachen hatten. Die Veränderungen der Temperaturen dauerten dabei Jahrtausende. Tieren und Pflanzen blieb so die Zeit, sich anzupassen. Als Klimawandel bezeichnen wir die aktuelle, von Menschen verursachte Erwärmung der Erde, die ein rasantes Tempo vorlegt und Tiere und Pflanzen damit in
große Schwierigkeiten bringt. Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen des Temperaturanstiegs schon am Nordpol.

Wasser statt Eis
Die stetig steigenden Temperaturen haben zur Folge, dass das Eis in der Arktis schmilzt. Das bedeutet: Der früher riesige Lebensraum der Eisbären schrumpft rasant, denn im Wasser kann ein Eisbär keine Robben jagen. Und wenn es anstatt Schnee bald nur noch Regen gibt, können Robben- und Eisbärmütter keine schützenden Höhlen für Ihre Kinder mehr bauen.  Dadurch gerät der Eisbär aus unterschiedlichen Seiten in Bedrängnis: Mit der schwindenden Chance, Robben zu erbeuten, werden die hungernden Bären zusehends kraftloser, Jungtiere haben geringe Überlebenschancen.

Bärenärger
Die erschwerte Partnersuche hat weniger gesunden Nachwuchs zur Folge. Auch setzen Öl- und Gasförderung, verschmutzte Meere und die Schifffahrt dem weißen Riesen sehr zu. Außerdem nehmen durch den schrumpfenden Lebensraum die Konflikte mit dem Menschen zu, weil ausgehungerte Eisbären sich zur Nahrungssuche immer dichter an menschliche Siedlungen wagen. Seit 2006 wird der Eisbär deshalb auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft. Auch wenn es noch mehr als 20.000 Tiere gibt, sind die Prognosen für die nächsten Jahre düster. Einige Experten befürchten sogar, dass es in 50 Jahren keine Eisbären mehr geben wird.

Erderwärmung aufhalten
Eine wichtige Chance ist der Stopp des Klimawandels – also ein deutlich geringerer Ausstoß an Kohlendioxid und die Rettung der Regenwälder als grüne Lungen der Erde. Um das größte Landraubtier der Welt vor dem Aussterben zu retten ist außerdem ein umfangreiches Wissen über sein Verhalten in seinem natürlichen Lebensraum wichtig. Nur wenn die Forscher wissen, welches Verhalten für einen Eisbären „normal“ ist, können Sie erkennen, wenn die Tiere in ihrem Verhalten gestört werden und auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse Empfehlungen für geeignete Schutzmaßnahmen geben. Auch um geeignete Schutzgebiete ausweisen zu können, müssen die Eisbären Experten wissen, wo die Tiere sich vorzugsweise aufhalten.

Hilfe durch die Wissenschaft
Wissenschaftler der Non-Profit-Organisation Polar Bears International stellen dazu zum Beispiel Kameras an den Wurfhöhlen von Eisbären auf, um herauszufinden, wann Mutter und Nachwuchs die Wurfhöhle verlassen oder wie viele Jungtiere aus der Wurfhöhle kommen. Zoos tragen so zur Rettung der Eisbären bei, indem sie diese sogenannte Grundlagenforschung finanziell oder personell unterstützen. Der Zoo Berlin unterstützt Polar Bears International dabei, die Verhaltensveränderungen bei Aufzucht und Jagd, bevorzugten Rückzugsräumen und Wanderbewegungen in der Wildbahn erforscht. Das Ziel: Schutzzonen einrichten, in denen die Tiere genug Nahrung finden und Nachwuchs ungestört großziehen können. Aktuell fördern wir ein Forschungsprojekt, das dank modernster Kameratechnik Geburtshöhlen ungestört beobachten kann.

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