Starthilfe für Bambusbären

Panda-Paarung im Zoo Berlin

Pandas sind nicht nur was ihre Nahrung betrifft wahrhaftige Spezialisten, auch für ihr einzigartiges Fortpflanzungsverhalten sind die schwarz-weißen Bären aus Fernost bekannt. Panda-Weibchen können nur einmal im Jahr – in einem Zeitraum von 24 bis 72 Stunden – befruchtet werden.

Anfang des Monats waren bei den ansonsten als strikte Einzelgänger lebenden Pandas Frühlingsgefühle ausgebrochen. Mit lautem Quieken buhlte die Panda-Dame Meng Meng (5) um Jiao Qings (8) Aufmerksamkeit. Nachdem sich die Werte für die entscheidenden Hormone Progesteron und Östrogen bei der Panda-Dame veränderten und Jiao Qing mit einem Meckern sein Interesse an seinem Gegenüber zeigte, lernten sich Meng Meng und Jiao Qing am Morgen des 5. Aprils erstmals kennen. Aus Sicherheitsgründen fand der erste direkte Kontakt der beiden hinter den Kulissen des Panda Garden im Zoo Berlin statt. „Die beiden sind, was die Fortpflanzung angeht, vollkommen unerfahren. Meng Meng zeigte deutlich Interesse an dem Panda-Mann. Auch Jiao Qing war bereit“, schildert der Zoologische Leiter Dr. Ragnar Kühne das erste Kennenlernen der beiden. Die beiden Pandas wurden am Freitag und Samstag insgesamt sieben Mal – begleitet von den beiden extra aus China angereisten Reproduktionsexperten – für jeweils ca. 20 Minuten zusammengelassen. Der rund 110 kg schwere Jiao Qing ging zwar auf Tuchfühlung mit der paarungsbereiten Meng Meng, es ließ sich jedoch nicht feststellen, ob die Paarung erfolgreich verlief. 

Um die Wahrscheinlichkeit der Trächtigkeit der vom Aussterben bedrohten Art zu erhöhen, wurde eine künstliche Besamung (AI = Artificial insemination) vorbereitet. Mit Hilfe eines Elektro-Ejakulators wurden Jiao Qings Spermien gewonnen und anschließend bei Meng Meng eingeführt. Dafür wurden die Pandas kurzzeitig in Narkose gelegt. Das Zeitfenster für die Fortpflanzung ist bei Großen Pandas sehr kurz. „Mein besonderer Dank gilt hierbei den erfahrenen Reproduktionsexperten Prof. Dr. Thomas Hildebrandt und Dr. Frank Göritz vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), die gemeinsam mit uns am Samstag den Eingriff zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt haben“, so Tierarzt und Zoo-Direktor Dr. Andreas Knieriem. „Auch wenn eine künstliche Besamung für uns ein Routineeingriff ist, das Besamen eines Pandas ist auch für uns etwas Besonderes. Den Eingriff haben die beiden Pandas gut überstanden“, erklärt Hildebrandt.

Frühestens ab Juni könnte eine Ultraschall-Untersuchung Aufschluss über eine Trächtigkeit geben. Bis zu einer möglichen Geburt vergehen drei bis sechs Monate. Die Tragzeit setzt sich aus dieser unterschiedlich lang dauernden Keimruhe sowie der eigentlichen Entwicklungszeit, diese beträgt bei Pandas etwa 45 bis 60 Tage, zusammen. Im Durchschnitt kommen ein bis drei unbehaarte und hamstergroße Jungtiere nach etwa 155 Tagen zur Welt. Mit einem Gewicht von etwa 80 bis 200 Gramm bringen Panda-Jungtiere zum Zeitpunkt der Geburt ungefähr ein Tausendstel des Gewichts ihrer Mütter auf die Waage.

Im Zoo Berlin leben seit Sommer 2017 Deutschlands einzige Große Pandas. Die aktuelle Zählung des weltweiten Bestandes an Großen Pandas geht von nur noch etwa 1.860 ausgewachsene Große Pandas im natürlichen Lebensraum aus, daher wird der Große Panda auf der Roten Liste für bedrohte Arten der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft. Der Zoo Berlin zahlt eine jährliche Leihgebühr, welche zu 100 Prozent in den Artenschutz fließt. Mit dem Beitrag wird Zucht, Schutzmaßnahmen und Wiederauswilderung der beliebten Bambusbären finanziert.

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