Nur noch 2 Tage bis zur Panda-Landung ...

... und wir haben ein Interview mit Revierleiter Christian Toll.

Schon in wenigen Tagen kann Deutschland wieder Pandas live erleben. In den vergangenen Wochen und Monaten stieg das Panda-Fieber auch über die Grenzen Berlins hinaus stetig an. Viel wurde berichtet, über die neue Anlage, den Transport und auch den neuen Leiter des Bärenreviers Christian Toll. Der erfahrene Pfleger arbeitet bereits seit 1999 im Zoo Berlin. Wir möchten den „Papa Panda“ – wie der Revierleiter liebevoll von der Presse getauft wurde – heute in einem ausführlichen Interview vorstellen:

Interview

Herr Toll, soviel Wirbel um zwei Tiere, da müssen wir doch noch einmal die Klassiker-Frage stellen: Was ist das besondere an den Großen Pandas?
Pandas werden in China wie Heiligtümer verehrt und sind weltweit wie kein anderes Tier zum Symbol des Artenschutzes geworden. Die Haltung von Großen Pandabären ist sehr anspruchsvoll. Nur kleinste Temperaturschwankungen oder leichte Veränderungen im Futter können das Wohl und die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Man kann sagen, dass es eine der höchsten Disziplinen eines Tierpflegers ist, sich um diese Tiere zu kümmern. Deshalb ist es für jeden Zoo weltweit eine besondere Auszeichnung diese sensiblen und seltenen Tiere anvertraut zu bekommen.
Wie selten sind die Tiere denn wirklich?
Früher gab es die Großen Pandas vom ganzen Nord-Osten Chinas bis runter nach Myanmar und Vietnam. Heute findet man die Pflanzenfresser nur noch in den lichten Laub- und Nadelwäldern in den chinesischen Bergregionen rund um die Provinzen Sichuan, Shaanxi und Guanzu. Die letzte große Pandazählung der staatlichen Forstbehörde in China hat gezeigt, dass im Jahr 2014 mindestens 1.864 Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum lebten – das waren 17% mehr als noch im Jahr 2004. Aber trotz der erfolgreichen Schutzbemühungen ist das Überleben der Tiere in ihren natürlichen Lebensraum noch immer nicht gesichert. Deshalb wird der Große Panda immer noch als „gefährdet“ in der Roten Liste für bedrohte Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) eingestuft.
Für die Vorbereitung auf Ihre neuen Schützlinge lesen sie nicht nur viel, sondern sind auch ziemlich viel unterwegs. Wohin hat ihr neuer Job sie schon geführt?
Im April war ich für ein paar Tage in Frankreich im Zoo in Beauval. Dort werden schon seit einigen Jahren Große Pandas gehalten. Ich konnte mich mit den zuständigen Pflegern vor Ort intensiv unterhalten und sie auch bei ihren täglichen Aufgaben sowie dem Umgang mit den Tieren begleiten. So konnte ich noch mehr über diese besonderen Tiere lernen und von den Erfahrungen der französischen Kollegen profitieren.
…und gerade kommen sie auch schon wieder vom Flughafen?
Genau, ich war in der letzten Woche in der Chengdu Panda Base in China, wo ich unsere beiden Pandas Meng Meng und Jiao Qing zum ersten Mal kennenlernen durfte. Außerdem habe ich von den chinesischen Kollegen viel über die Zucht und Haltung von Pandas gelernt.
Die neue Aufgabe bringt ja ziemlich viel Verantwortung mit sich – haben Sie gar keine Angst davor?
Ohja, eine große Verantwortung hängt damit auf jeden Fall zusammen. Nur sehr wenige Zoos auf der Welt halten Große Pandas, da die chinesische Regierung die vom Aussterben bedrohten Tiere nur an ausgewählte Tiergärten abgibt. Die Voraussetzungen, die man erfüllen muss, sind enorm hoch und wir werden regelmäßig kontrolliert, ob alle Vorgaben eingehalten werden. Außerdem ist die bisherige Geschichte der Pandas im Zoo Berlin nicht nur von Erfolg geprägt – mit dem Nachwuchs hat es nie geklappt. Da ist dann auch irgendwie ein gewisser Druck da. Angst habe ich davor aber nicht, sonst wäre ich auch nicht der Richtige für diese Aufgabe. Ich gehe dennoch mit dem nötigen Respekt an die Sache heran. Eine kleine Umstellung wird es für mich aber auf jeden Fall, denn ich habe bisher jahrelang im Revier der Einhufer gearbeitet.
Werden Sie Ihre ehemaligen Schützlinge, zu denen ja auch die beliebten Zebras zählen, denn vermissen?
Natürlich ist es auch immer ein wenig traurig, wenn man jahrelang in einem Revier gearbeitet hat und dieses dann verlässt. Man gewöhnt sich einfach an die einzelnen Tiere. Aber ich verlasse den Zoo ja nicht komplett und kann bei Sehnsucht immer mal in meinem ehemaligen Revier vorbeischauen und außerdem sind die Tiere bei meinen Kollegen natürlich nach wie vor in besten Händen. Dennoch überwiegt die Freude auf mein zukünftiges Revier. Große Pandas sind ja eine echte Seltenheit in Zoos und durch ihre weltweite Bekanntheit natürlich ein absoluter Publikumsliebling.
Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Toll und alles Gute für Ihre neue Position als „Panda-Papa“ im Zoo Berlin!

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Kommentare

03.07.2017M. Felk

vormals Huftierpfleger und jetzt Pandas, und dann noch Chef des Bärenreviers mit Tropenbären, Eisbär, Polarwölfen, Nasenbären, Wildhunden. Bürdet man dem "Greenhorn" nicht ein bißchen zuviel Verantwortung auf???? Er sollte sich voll und ganz den Pandas widmen und das Revier der Raubtiere den Pflegern überlassen, die sich dort bisher bestens bewährt haben. Einen guten Chef hätte es dafür gegeben! Man kann Herrn Toll nur wünschen, daß er vor Überforderung und Streß nicht fahrlässig wird.

23.06.2017Josefine

Herr Toll ist bestimmt ein sehr guter und kompetenter Mitarbeiter, aber warum übernimmt die Pflege nicht der ehemalige Pandapfleger (weiß leider den Namen nicht), er hat sich doch die letzten Jahre um das Männchen hervorragend gekümmert, somit müßte er doch die allergrößte Erfahrung haben...? Freue mich auf ein Antwort