Ich und mein Holz

Mit dem Umzug der beiden Großen Pandas nach Berlin müssen sich die Zoo-Mitarbeiter einer neuen Aufgabe stellen: kontinuierlich für Bambus-Nachschub sorgen. Jedes Tier isst täglich zwischen zehn und 30 Kilogramm. Aber die wenigsten dürften wissen, wie viel in Bambus wirklich steckt. Hierzulande ist Bambus vor allem als Zierpflanze bekannt, wird zu schicken Möbelstücken verarbeitet, der eine oder andere hat vielleicht auch schon einmal Bambussprossen beim Chinesen um die Ecke gegessen. Aber Bambus ist nicht gleich Bambus. Extrem hart und doch sehr flexibel, langlebig und schnellwachsend, nachhaltig und besonders vielseitig. Er sieht zwar wenig spektakulär aus, ist aber ein absoluter Alleskönner.

Bambus wächst sehr schnell

Es gibt allein in China über 500 verschiedene Bambusarten, die teils verholzen und teils nicht. Viele Bambusarten wachsen ein paar Zentimeter pro Woche, einige Sorten können bei optimalen Bedingungen aber sogar bis zu einem Meter pro Tag wachsen. Bei den extrem schnell wachsenden Arten dauert es dann gerade einmal vier Monate, bis sie ihre volle Größe erreicht haben.
Geerntet werden sie aber trotzdem erst nach rund drei Jahren, denn erst dann sind sie vollständig verholzt. Verglichen mit Eichen, Buchen und anderen heimischen Holzlieferanten sind drei Jahre allerdings dennoch sehr wenig.  
Der Bambus, der im Zoo verwendet wird, kommt aus den Niederlanden. Als Reaktion auf die mittlerweile sieben europäischen Zoos mit Panda-Haltung, unter anderem in Madrid und Edinburgh, spezialisierte sich das Unternehmen Winkendick auf Bambus als Futtermittel.

Mehr Sein als Schein

Die vielfältige Verarbeitungsweise als Roh-, Brenn- und Arbeitsstoff gibt dem Bambus seinen Spitznamen: Das grüne Gold. Schon seit langem ist Bambus in Asien als hervorragende Energiequelle bekannt. Außerdem kennzeichnet die Halme eine enorme Festigkeit und eine außerordentliche Härte, die nur durch die starken Mahlzähne der Pandas und den massiven Schädel mit der ausgeprägten Kaumuskulatur zerkleinert werden können.
Bambusblätter sind ferner die Hauptnährstoffquelle vom Pandabär. Er ist gegen die für Menschen giftige Rohpflanzen unempfindlich. Die im Bambus enthaltene Blausäure kann durch besondere Bakterien im Darm des Bären abgebaut werden: Sogenannte Clostridium-Bakterien. Im Vergleich zu anderen Pflanzenfressern ist der Anteil dieser Enzyme jedoch eher gering. Dies erklärt vermutlich, warum Pandabären schlechte Futterverwerter sind: Nur etwa 17 Prozent der aufgenommenen Pflanzennahrung verdauen die Tiere auch.

Zufälle gibt’s, die gibt’s nicht

Aber Bambus ist nicht gleich Bambus. Momentan liebt die Diva Meng Meng die Bambusart Pseudosasa japonica, besser bekannt als Japanischer Pfeilbambus. Er ist ein robuster und pflegeleichter Bambus, der mit seinen bis zu fünf Metern Höhe und überhängenden Spitzen in Japan und in China schon seit mehr als 1200 Jahren für die Fertigung von Pfeilen verwendet wird. Man findet diesen Bambus dort daher häufig in der Nähe von Burgen, Schlössern und Ruinen.
Natürlich - wie sollte es anders sein - ist das die Sorte die am wenigstens aus den Niederlanden geliefert werden kann. Aber zufälligerweise wächst im Zoo Berlin genau diese Art direkt am Raubtierhaus. So kann vorerst frisch geerntet und den individuellen Wünschen entsprochen werden. Am Flusspferdhaus wächst zudem die Lieblingssorte von Jiao Qing: Bisset-Bambus (Phyllostachys bisseti). Als wäre es vorherbestimmt, dass im Berliner Zoo die beiden Pandas wohnen sollen.
Es gibt natürlich auch auf der neuen Panda-Außenanlage verschiedene Bambussorten. Was zum einen dekorativ aussieht, nahm den Tieren die anfänglichen Berührungsängste mit der neuen Umgebung. Dem kleinen Snack konnten sie nicht widerstehen.

Wünsch dir was

Einmal in der Woche erreicht den Zoo ein Kühlfahrzeug mit vier bis fünf verschiedenen Sorten Bambus. Jedes Mal ist es eine Überraschung, was denn nun dabei ist, weil nur drei Sorten direkt angegeben werden können. Der Rest ist eine Wundertüte und soll auch dazu dienen, die Geschmäcker unserer beiden Pandas besser zu erforschen und für Abwechslung auf der Speisekarte zu sorgen. Ursprünglich war ein 14 tägiger Rhythmus angedacht, aber die süßen Bären sind einfach zu verfressen.

Meng Meng und Jiao Qing haben zudem sensible Näschen. So muss jedes Mal die Lieferung angepasst werden. Tierpfleger Christian Toll erklärt das Phänomen so, dass sich je nach Jahreszeit der Geschmack des Bambusses verändert. Außerdem führe der natürliche Wanderzyklus der Pandabären zu einem saisonal abhängigen Geschmack und sich verändernden Lieblingssorten.
Das stellt die Tierpfleger vor eine große Herausforderung, denn beide Bären benötigen täglich eine Zufuhr von 30kg Bambus. Das muss erstmal getilgt werden. So vielfältig der Bambus erscheint, bleiben wir optimistisch, dass wir das Geheimnis der Panda-Geschmacksknospen bald vollständig gelöst haben.

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Kommentare

04.12.2017Bärenfreund

Damit hier keine Verwirrung aufkommt: das freundliche Gesicht im Bambusdschungel gehört dem Bärenpfleger Marcus Röbke und nicht Chrstian Toll.