Fact-Sheet

Nachwuchs bei den Großen Pandas im Zoo Berlin

Im Zoo Berlin leben seit Sommer 2017 Deutschlands einzige Große Pandas. Die schwarz-weißen Bären aus Fernost leben generell als strenge Einzelgänger und sind nur etwa 72 Stunden im Jahr paarungsbereit. Im April 2019 wurden Meng Meng und Jiao Qing (9) erstmals zur Paarung zusammengelassen. Um die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit zu erhöhen, wurde Meng Meng im Anschluss an die Paarung künstlich besamt. Die letzte Zählung des weltweiten Bestandes an Großen Pandas geht von nur noch etwa 1.864 ausgewachsene Tieren im natürlichen Lebensraum aus, daher wird der Große Panda auf der Roten Liste für bedrohte Arten der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft. Bei Meng Mengs Jungtieren handelt es sich um Deutschlands ersten Panda-Nachwuchs.

Wie hat sich der Zoo Berlin vorbereitet?

Da das Zeitfenster für die Paarung so kurz ist, ist eine gute Vorbereitung das A und O. Tierärzte, Biologen und Tierpfleger haben in der Vergangenheit mehrfach die Chengdu Panda Base besucht und sich vor Ort mit den chinesischen Experten ausgetauscht. Die Chengdu Research Base in der Provinz Sichuan gehört zu den bedeutendsten Aufzucht- und Forschungsstationen. Die chinesischen Panda-Forscher konnten nicht nur ihre langjährige Expertise in der Panda-Zucht weitergeben, sondern konnten speziell Tipps für den Umgang mit Jiao Qing (9) und Meng Meng (6) geben. Die beiden Berliner Pandas haben ihre ersten Jahre in ebendieser Aufzuchtstation verbracht.
Der 2017 eröffnete Panda Garden umfasst eine Fläche von 5480 m² und ist dem natürlichen Lebensraum der Tiere in den Bergwäldern Chinas nachempfunden. Neben einem idyllischen Wasserlauf finden die Pandas einem naturnahen Kletterwald inkl. Panda-Schaukel. Zudem ist der Panda Garden mit einer modernen Tierklinik ausgestattet. Diese wurde u.a. mit einem Beatmungsgerät, portablen Ultraschallgerät sowie Inkubatoren für den Nachwuchs ausgestattet. Die Inkubatoren wurden vom Klinikdirektor der Neonatologie der Charité Berlin Prof. Dr. Christoph Bührer zur Verfügung gestellt.

Wie hat man den richtigen Zeitpunkt für die Panda-Paarung heraus?

Pandas sind nicht nur was seine Nahrung Bambus betrifft Spezialisten, auch für ihr spezielles Fortpflanzungsverhalten sind die schwarz-weißen Bären aus Fernost bekannt. Panda-Weibchen können nur einmal im Jahr – in einem Zeitraum von 24 bis 72 Stunden – befruchtet werden. Seit Februar haben die Tierpfleger die beiden Pandas mit besonders wachsamen Augen beobachtet und im Rahmen des Trainings täglich Urinproben von Meng Meng genommen. Die Proben wurden gemeinsam mit den Kollegen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) untersucht, insbesondere die Werte der beiden Hormone Progesteron und Östrogen waren hier von besonderer Bedeutung.

Wann haben sich Meng Meng und Jiao Qing kennengelernt?

Anfang April waren bei den ansonsten als strikte Einzelgänger lebenden Pandas Frühlingsgefühle ausgebrochen. Mit lautem Quieken buhlte die Panda-Dame Meng Meng um Jiao Qings Aufmerksamkeit. Nachdem sich die Werte für die entscheidenden Hormone Progesteron und Östrogen bei der Panda-Dame veränderten und Jiao Qing mit einem Meckern sein Interesse an seinem Gegenüber zeigte, lernten sich Meng Meng und Jiao Qing am Morgen des 5. Aprils erstmals kennen. Die beiden Pandas wurden anschließend insgesamt sieben Mal – begleitet von den beiden extra aus China angereisten Reproduktionsexperten – für jeweils ca. 20 Minuten zusammengelassen. Der rund 110 kg schwere Jiao Qing ging zwar auf Tuchfühlung mit der paarungsbereiten Meng Meng, es ließ sich jedoch nicht feststellen, ob die Paarung erfolgreich verlief. Um die Wahrscheinlichkeit der Trächtigkeit der vom Aussterben bedrohten Art zu erhöhen, hat Prof. Dr. Thomas Hildebrandt und Dr. Frank Göritz vom IZW gemeinsam mit den chinesischen Experten und dem Zoo-Team eine künstliche Besamung (AI = Artificial insemination) durchgeführt.

Wann lange dauert eine Panda-Trächtigkeit?

Bis zur einer Geburt vergehen drei bis sechs Monate. Die große Variabilität in der Tragzeit erklärt sich dabei aus unterschiedlich langen Verzögerungen zwischen Befruchtung und Einnistung des Embryos – der sogenannten Keimruhe. Die Tragzeit setzt sich aus dieser unterschiedlich lang dauernden Keimruhe sowie der eigentlichen Entwicklungszeit, diese beträgt bei Pandas etwa 45 bis 60 Tage, zusammen. Mit einem Gewicht von etwa 80 bis 200 Gramm bringen Panda-Jungtiere zum Zeitpunkt der Geburt ungefähr ein Tausendstel des Gewichts ihrer Mütter auf die Waage.

Seit wann wusste man, dass Nachwuchs auf dem Weg ist?

Eine Trächtigkeit wurde seit gut zwei Wochen vermutet, die Trächtigkeit konnte am 27. August durch eine Ultraschall Untersuchung von den Experten des IZW sicher festgestellt werden.

Wie lief die Geburt ab?

Nachdem bei Meng Meng die Wehen einsetzten und um 16:20 Uhr die Fruchtblase platzte, wurde das erste Jungtier um 18:54 Uhr, das zweite um 19:42 Uhr geboren. Bei der Erstuntersuchung zeigte sich beide Zwillinge putzmunter, der Erstgeborene brachte 186 g, das zweite Jungtier 136 g auf die Waage. Das Zoo-Team zog sich für die Geburt zurück, beobachtete die junge Pandabärin und versorgte Meng Meng nach der Geburt mit Honigwasser.

Wie lange bleibt der Nachwuchs in Berlin und wem gehört das Jungtier?

Der Nachwuchs wird bis zu vier Jahre in Berlin aufwachsen bevor die Jungtiere – wie auch im natürlichen Lebensraum – sich von ihrer Mutter lösen und Berlin in Richtung China verlassen. Pandas gehören in China zum nationalen Heiligtum und bleiben chinesisches Eigentum. Dies gilt auch für den Berliner Nachwuchs. Die Chinesen sind in der Schaffung von Schutzzonen für die Pandas sehr engagiert, der Zoo Berlin ist Teil des chinesischen Schutzprogrammes für die Pandas und beteiligt sich mit einer Leihgebühr, welche in vollem Umfang für den Artenschutz verwendet wird.

Sind beide Jungtiere ständig bei Meng Meng?

Da Panda-Mütter sich im natürlichen Lebensraum in der Regel immer nur um ein Jungtier kümmern, hat sich der Zoo Berlin – in enger Absprache mit den chinesischen Experten – dazu entschlossen die beiden Jungtiere im Wechsel zu tauschen und so die Überlebenschance der Zwillinge zu erhöhen. Während Meng Meng also das eine Baby-Panda wärmt, kuschelt und mit Milch versorgt, kümmert sie das Team – allen voran die chinesische Tierpflegerin und die Tierärztin – um den zweiten Panda im Inkubator. In einem Abstand von ca. zwei Stunden wird gewechselt.

Was umfasst die Versorgung im Inkubator?

Bei einer Temperatur von 37 Grad und Luftfeuchtigkeit von ca. 65% im Inkubator wird der kleine Panda zusätzlich durch eine warme Decke gewärmt. Regelmäßig überprüfen die Tierpfleger Gewicht und Temperatur, zusätzlich betreiben sie Nabelpflege.

Warum wird die Mutter hier, auch im Vergleich zum Eisbär, bei der Aufzucht unterstützt?

Der Austausch der Jungtiere ist bei Pandas – ganz anders als bei Eisbären – unproblematisch machbar. Während Eisbären zu den größten Landraubtieren der Erde gehören und gut 400 kg auf die Waage bringen können, sind Pandas mit gut 90 kg nicht nur deutlich leichter, sondern gelten auch als verhältnismäßig friedfertig. Im Gegenteil zu Eisbären nehmen Panda-Mütter ihr Jungtier, auch nach einer kurzen Trennung, wieder unproblematisch an. Zwar werden beide Bären von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als gefährdet gelistet, mit schätzungsweise 1.864 Tieren im natürlichen Lebensraum (im Vergleich Eisbären: ca. 26.000) ist die Panda-Population deutlich kleiner.

Welche Rolle spielt der Panda-Papa?

Männliche Pandas spielen bei der Aufzucht der Jungtiere keine Rolle. Da Pandas außerhalb des äußert kurzen Zeitfensters der Fortpflanzung strikte Einzelgänger sind, ist Jiao Qing weiterhin für die Besucher zu sehen.

Wann wird der Panda-Nachwuchs erstmals für die Besucher zu sehen sein?

Kleine Pandas werden nur unreif und mit einem feinen Flaum behaart geboren und sind auf die wärmende Nähe ihrer Mutter angewiesen. Die ersten Wochen wird die Panda-Familie hinter den Kulissen verbringen. Erst ab Herbst, wenn der Nachwuchs langsam etwas mobiler wird, steht der erste Ausflug von Meng Meng und ihren Jungtieren an.

Welches Geschlecht hat der Nachwuchs und welchen Namen werden sie tragen?

Noch ist das Geschlecht nicht bekannt und auch einen Namen hat der Nachwuchs noch nicht bekommen. Gemeinsam mit den chinesischen Vertretern wird der Zoo Berlin passende Namen für die beiden Neuberliner auswählen.

Weshalb ist Panda-Nachwuchs so wichtig?

Die Bambusbären sind nicht nur Publikumslieblinge, der Große Panda ist darüber hinaus zum Symbol für vom Aussterben bedrohte Tierarten geworden. Der Zoo Berlin möchte mit dem Panda als bekannten Artenschutz-Botschafter auch die Aufmerksamkeit der Besucher auf das vom Menschen verursachte Artensterben weltweit lenken.

Einst erstreckte sich der Lebensraum der Pandas vom Nord-Osten Chinas bis nach Myanmar und Vietnam. Heute findet man die Pflanzenfresser lediglich in den lichten Laub- und Nadelwäldern der chinesischen Bergregionen rund um die Provinzen Sichuan, Shaanxi und Guanzu. Die aktuelle Zählung des weltweiten Bestandes an Großen Pandas geht von nur noch etwa 1.860 ausgewachsene Große Pandas in der Wildbahn aus, wovon sich knapp 70% in staatlich eingerichteten Schutzgebieten aufhalten. Deshalb wird der Große Panda auf der Roten Liste für bedrohte Arten der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet (VU) eingestuft. Als Nahrungsspezialist mit einer sehr kurzen Paarungszeit ist der Große Panda besonders vom Verlust seines ursprünglichen Lebensraumes betroffen. Die Partner- und Futtersuche fällt ihm in den sehr fragmentierten Schutzgebieten immer schwerer.

Die Arbeit der Wissenschaftler in der die Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding in China wird vom Zoo Berlin mit der Leihgebühr für die beiden Pandas finanziell gefördert. Der Beitrag fließt zu 100 Prozent in die herausragende Arbeit der Chinesischen Experten bei Zucht, Schutz und Wiederauswilderung der beliebten Bambusbären. Neben der Ausweisung von geeigneten Naturschutzgebieten sichern Wissenschaft und Forschung den Arterhalt des Großen Panda. Ohne fundierte Erkenntnisse über das Leben der Pandas können keine geeigneten Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Die Schutzbemühungen zeigen ihre Wirkung: Nachdem der Große Panda lange Zeit als „stark gefährdet“ galt, wird der Große Panda seit 2016 in der Internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) nach einer großen Bestandsaufnahme nur noch als „gefährdet“ eingestuft.

Zoo und Tierpark spielen eine wichtige Rolle für den modernen Artenschutz. Die Zoologischen Gärten unterstützen 21 Artenschutz-Projekte weltweit, u.a. für Edwards-Fasane in Vietnam, Titicaca-Riesenfrosch in Bolivien und beteiligen sich darüber hinaus an erfolgreichen Auswilderungsprojekten.

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Kommentare

03.09.2019C. Lewi

Herzlichen Glückwunsch erst einmal. Aber ich habe auch eine Frage: In welchem Alter verkümmert der lange Schwanz zu einem Stummelschwanz. LG und viel Glück dem GANZEN Team!