Interview mit Zoodirektor Dr. Andreas Knieriem zum 1-jährigen Pandajubiläum

Heute von einem Jahr wurde der Panda Garden von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping feierlich eröffnet. Anlässlich dieses Jubiläums haben wir mit Zoodirektor Dr. Andreas Knieriem gesprochen, um herauszufinden, was in diesem ersten Pandajahr alles passiert ist.


Herr Dr. Knieriem, wie haben sich die beiden Pandas in Berlin eingelebt? Fühlen sie sich bei uns wohl?

Meng Meng und Jiao Qing haben sich inzwischen sehr gut bei uns eingelebt. Sie haben mittlerweile beide ihre gesamten Außenanlagen in Beschlag genommen und schon erste Rituale „entwickelt“ – so liebt Jiao Qing es z.B. morgens draußen in der Morgensonne genüsslich Bambus zu frühstücken. Bei wärmeren Temperaturen nimmt er seine Mahlzeiten auch schon einmal in seinem Panda-Pool ein. Außerdem schlafen sie sehr entspannt an unterschiedlichen Stellen der Anlage, das kann auch schon einmal direkt an der Scheibe vor den Besuchern sein. Meng Meng ist oft auf ihrem „Hochbett“ im Innenbereich beim Schlafen zu beobachten – keine zwei Meter von den Besuchern entfernt. Dieser ausgewogenen Schlaf- und Fressrhythmus zeigt, dass sich die Tiere wohlfühlen. Wäre ihnen etwas unangenehm oder wären sie nervös, würde man das zuerst an Veränderungen im Schlaf- und Fressverhalten feststellen können.

Pandas kommen ja aus den Nebelwäldern Chinas und lieben eher das kühlere, feuchte Klima. Wie kommen sie mit unserem bisher recht warmen Sommer zurecht?

Das Innengehege ist klimatisiert, dort sind es auch an warmen Tagen nie über 24 Grad. Am wohlsten fühlen sich die Bären bei Temperaturen um die 20 Grad, deshalb haben sie auf der Außenanlage aber auch einen Wasserlauf mit Naturpool, in dem sie sich jederzeit abkühlen können. Der in regelmäßigen Abständen versprühte Nebel ist nicht nur für die Besucher schön anzusehen, sondern gefällt auch den Pandas gut, weil der Nebel für kühle, feuchte Luft sorgt. Gerade Jiao Qing hält sich an wärmeren Tagen viel auf den Felsen rund um seinen Pool auf, wo es schattig und feucht ist.

Wie eng ist der Kontakt nach China?

Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit den Kollegen in China, die über sehr viel Erfahrung in der Haltung, Pflege und Nachzucht dieser bedrohten Tierart verfügen. Das Team in Chengdu (Herkunftsort unserer Pandas) sowie die China Wildlife Conservation Association (CWCA) bekommen von uns ein regelmäßiges Update zum Fressverhalten, zum Gesundheitszustand und Enrichment, welches wir den Tieren anbieten. Auch über das allgemeine Verhalten geben wir regelmäßig Auskunft, das könnten beispielsweise Fragen betreffen wie: In welchem Teil der Anlage halten sich die Tiere bevorzugt auf? Wo und wie viel schlafen sie? Werden Kletteranlagen, Höhlen oder Badebecken genutzt? Auch ob, wann und wie die beiden sich das erste Mal näherkommen, entscheiden wir im nächsten Jahr gemeinsam mit den Kollegen aus China. Beide Seiten waren sich darüber einig, dass Meng Meng in diesem Jahr noch zu jung für Nachwuchs war. Im Frühjahr waren die beiden ja auch noch nicht einmal ein Jahr bei uns.

Wie verbringen die Tiere ihren Tag am liebsten?

Ihr Ruf eilt den Großen Pandas ja schon voraus und es stimmt tatsächlich: Der Alltag unserer Pandas besteht hauptsächlich aus Fressen und Schlafen. Für die vegetarischen Bären ist das auch völlig normal. Der Bambus hat wenig Kalorien, deshalb müssen sie besonders viel davon zu sich nehmen und haben sich einen sehr energiesparenden Tagesablauf angewöhnt. Trotzdem kann man Meng Meng gerade bei kühleren Temperaturen oft auf ihrem Klettergerüst bei spektakulären Turnübungen beobachten. Dass sie die aktivere von beiden Tieren ist, kann auch mit dem Alter zusammenhängen. Beide sind sehr motiviert beim Medical-Training mit den Tierpflegern.

Wie viel Bambus bekommen die Pandas pro Tag?

Pandas fressen rund 30kg Bambus am Tag, angeboten werden aber immer zwischen 50 und 60 kg, weil ihnen nicht immer alles schmeckt und sie die Stangen auch nicht komplett fressen, sondern nur Teile davon. Mit den Lieferungen aus den Niederlanden klappt alles immer sehr gut, wir haben eine große Auswahl an unterschiedlichen Sorten, die wir bestellen können. Die Gärtnereien beliefern auch andere Panda-Zoos in Europa und haben Erfahrung mit den spontan wechselnden Geschmäckern dieser Gourmet-Bären. Neuerdings dürfen wir auch Bambuspflanzungen im Botanischen Garten als Notfallreserven nutzen, falls es doch einmal zu Engpässen kommen sollte.

Können die Tierpfleger inzwischen schon Unterschiede in den Charakterzügen der beiden erkennen?

An ihrem Charakter kann man sie sogar fast besser unterscheiden, als an ihrem Äußeren. Während Jiao Qing eher behäbig, genügsam und gemütlich ist, ist die jüngere Meng Meng deutlich aktiver, anspruchsvoller und hat ihren eigenen Kopf. Sie hat sehr früh damit begonnen intensiv ihr Klettergerüst zu nutzen und ist bei schon fast beängstigen Kletterübungen zu beobachten, während man Jiao Qing bestenfalls auf den unteren Ebenen seines Kletterwaldes im Schatten dösen oder fressen sieht. Dass sie deutlich neugieriger ist, als er, sieht man auch, wenn die Pfleger ihr ein neues Spielzeug gebastelt haben, mit dem sie sich sofort ausgiebig beschäftigt. An ihrer Begeisterung für das Medical Training merkt man ihren engen Bezug zu Menschen, der bei Jiao Qing deutlich weniger vorhanden zu sein schein. Trotz ihres zarten Alters hat die kleine „Diva“ aber auch schon ihren eigenen Kopf und feste Vorstellungen davon, was die Tierpfleger wann zu tun haben. Dieses Verhalten erinnert ein bisschen an Menschen in der Pubertät.

Wie sieht es mit den Marotten von Meng Meng aus? Hat sich da etwas verändert?

Meng Meng hat immer noch die charmante Angewohnheit, den Gärtnern ein wenig unter die Arme zu greifen und die Bambusanpflanzungen im vorderen Bereich der Anlage regelmäßig zu stutzen. Zum Glück wächst der Bambus schnell genug nach.
Um mehr über die Ursachen und Situationen herauszufinden, in denen sie rückwärtsläuft, haben wir in den letzten Monaten verschiedene Dinge getestet. Inzwischen sieht es so aus, als ob wir auf einem sehr guten Weg sind. Das Medical Training, das ihr große Freude macht, findet nun überwiegend auf der Außenanlage statt, dadurch hat sich ihr Fokus auf die Innenstallungen relativiert. Oft ist sie vor dem Eingang zu den Innenställen rückwärtsgelaufen, wenn dieser verschlossen war, weil sie dort ungeduldig auf das Training gewartet hat und sie die Pfleger dazu bringen wollte, die Tür zu öffnen. Ihr Tagesablauf wurde nun noch abwechslungsreicher gestaltet, sodass sie nicht immer zu bestimmten Zeiten auf bestimmte Dinge, wie Futter und Training wartet und diese Ungeduld im Rückwärtsgang ausdrückt.

Hat sich sonst im Revier etwas verändert im letzten Jahr?

Seit April 2018 haben wir im Zoo eine grundsätzliche Veränderung in der Personalstruktur der Abteilung Zoologie eingeführt. Vorbild war hier der Tierpark, bei dem dieses Modell seit mehr als zwei Jahren schon sehr gut funktioniert. Die vielen kleinen Reviere wurden in Großreviere zusammengefasst, für die nun jeweils ein Revierleiter zuständig ist. Er fungiert als Bindeglied zwischen den eher wissenschaftlich orientierten Kuratoren und den eher praxisnah arbeitenden Tierpflegern in den Revieren. Vorher gab es für die vielen, kleinen Reviere sogenannte Reviertierpfleger. Bei den Bären war das beispielsweise Christian Toll, bei den Robben Norbert Zahmel. Um die Kommunikation zwischen den Kuratoren und ihren vielen Revieren zu erleichtern, wurden die Reviere im Zoo in diesem Jahr zu Großrevieren zusammengeführt, für die ein Revierleiter übergreifend zuständig ist. Das Pandarevier betrifft diese Änderung insofern, dass neben den bereits bekannten Tierpflegern Christian Toll und Markus Röbke dort, ab sofort Norbert Zahmel als zuständiger Revierleiter involviert ist. Neben den Pandas ist er weiterhin für die Robben, aber auch alle anderen Bären und Raubtiere zuständig. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Umgang mit Raubtieren, hatte damals engen Kontakt mit unserem Panda Bao Bao und hat das Revier bei der Eingewöhnung von Meng Meng und Jiao Qing von Anfang an mit seiner Expertise und Erfahrung unterstützt. In seiner neuen Funktion ist er Herrn Zahmel möglich, seine Kenntnisse verstärkt anzuwenden.

Sind die Pandas weiterhin Publikumsmagneten im Zoo?

Die Pandas sind nach wie vor das große Highlight im Zoo, Schlangen vor dem Panda Garden wie an den ersten Tagen und Wochen nach der Eröffnung bilden sich zum Glück nicht mehr. Das liegt auch daran, dass die Tiere nun deutlich mehr Zeit auf der Außenanlage verbringen und für Besucher von unterschiedlichen Stellen aus zu sehen sind. In den Ferien und am Wochenende kann es auf der Panda-Plaza aber immer noch sehr voll werden. Da der Zoo Berlin die einzige Möglichkeit bietet, in Deutschland Große Pandas zu sehen, ist damit zu rechnen, dass das große Besucherinteresse so schnell nicht nachlassen wird. Natürlich sind beispielsweise auch unsere Elefanten, Giraffen und Seelöwen nach wie vor sehr beliebt. 

Eine Leihgebühr von einer Million US-Dollar im Jahr ist viel Geld – sind die Pandas es wert?

Vorweg: Einen Zoobetrieb sollte und darf man nie nur rein wirtschaftlich betrachten, sonst würde es einen Großteil der Zoos, die herausragende Arbeit auf dem Gebiet Artenschutz, Bildung und Forschung leisten gar nicht geben. Die Bedingung Chinas, dass ein Zoo, der diese seltenen Tiere halten möchte, sich auch entsprechend für den Schutz dieser Art in ihrem natürlichen Lebensraum engagieren muss, entspricht (übrigens auch bei vielen anderen bedrohten Tierarten) unserem Selbstverständnis als zoologische Einrichtung. Für uns ist der Beitrag von einer Million US-Dollar in erster Linie eine Investition in den Artenschutz, um den natürlichen Lebensraum der Großen Pandas zu schützen.
Dennoch freuen wir uns natürlich, dass wir die ohnehin schon sehr hohe Attraktivität der Zoo Berlin mit den beiden Neuankömmlingen dauerhaft noch weiter steigern können. Gerade bei den aktuellen und noch geplanten Umbauprojekten wie Raubtierhaus und Nashornhaus, sind wir froh, unseren Besuchern ein neues Highlight präsentieren zu können. Unsere Besucherbefragung im letzten Jahr hat ergeben, dass die Pandas für viele Besucher ein Hauptgrund für den Besuch waren. Insofern hat der Zoo mit den Pandas eindeutig ein neues Highlight gewonnen. Den Besucheranstieg können wir allerdings nicht in konkreten Zahlen ausdrücken, da der erste Panda-Sommer ein sehr, sehr verregneter war, was in vielen Freizeiteinrichtungen zu großen Einbußen der Besucherzahlen geführt hat. Wir konnten Dank Pandas trotz schlechten Wetters steigende Zahlen verzeichnen, allerdings wissen wir nicht, wie die Zahlen ohne Pandas ausgesehen hätten. Es ist ohnehin nicht statistisch korrekt zu erfassen, welche Besucher nur wegen der Pandas in den Zoo kommen und welche sowieso einen Zoobesuch geplant hatten. Deshalb wäre es hier auch nicht ganz korrekt, schlicht die Differenz von 2016 und 2017 den Pandas zuzuschreiben. Aufgrund des hohen Besucherandrang am Panda Garden können wir jedoch davon ausgehen, dass die Tiere für den Besucheranstieg mit verantwortlich sind.

Was waren weitere Panda-Highlights im vergangenen Jahr?

Natürlich war der Staatsakt zur Eröffnung des Panda Garden ein historisches Ereignis für den Zoo Berlin, das für lange Zeit unübertroffen sein wird. Wir hatten aber auch schon einige andere prominente Besucher, die unbedingt die Pandas sehen wollten. Dazu gehörte beispielsweise auch Schauspieler Gerard Butler. Eine große Aufmerksamkeit aus internationalen Panda-Fan-Kreisen zog die Verleihung der Global Panda Awards auf sich. Der Zoo Berlin war in fünf der zwölf Kategorien nominiert und hat in gleich drei dieser Kategorien auch einen Award gewonnen, was uns wirklich sehr freut.

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Kommentare

07.10.2019Silvia Wendt, geb. Götz

Sehr geehrter Herr Dr. Knieriem, Danke für Ihre Rückantwort durch Frau Tuppat. Ich werde mich gerne bei Ihnen bewerben. Die erste Bewerbung ging an den Zoologischen Garten. Die 2. Bewerbung, sende ich Ihnen gerne an den Tierpark Friedrichsfelde GmbH. Die schriftliche Bewerbung, wird ab dem 22. Oktober 2019, bei Ihnen eingehen,da ich im Moment noch im Urlaub bin. Mit freundlichen Grüßen Silvia Wendt Derzeitig tätig im Empfang des Johanniterorden Berlin, Abteilung: Johanniter Seniorenhäuser GmbH, Finckensteinallee 111, PLZ: 12205 Berlin

06.07.2018Marianne S

Vielen Dank für die Informationen und Updates über Meng Meng und Jiao Qing. Leider sind wir nicht in der Lage unsere zwei Giant Pandas des oefteren zu besuchen. Ist es möglich die beiden via Panda Cam zu sehen? Oder zumindest mehr Videos zu veröffentlichen? Wir waeren Ihnen sehr dankbar. Happy Birthday Meng Meng and Jiao Qing!

04.07.2018Mr Thomas

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