Happy Bears Day

Die Bären der Welt leben hoch

Der 10. Mai ist in diesem Jahr ein ganz besonderer Tag. An diesem Sonntag werden nicht nur alle Mütter gefeiert, sondern es ist gleichzeitig auch der internationale „Happy Bears Day“. Der Bärenkurator aus dem Tierpark Berlin, Dr. Florian Sicks erklärt uns, was es damit auf sich hat.

Herr Dr. Sicks, was können wir uns unter diesem „Bärentag“ vorstellen?

Der „Happy Bears Day“ findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Dieser Aktionstag wurde vom Europäischen Zooverband EAZA – genauer gesagt von der dortigen Gruppe der Bärenexperten, dem sogenannten Bear TAG – zu Ehren aller Großbären auf der Welt ins Leben gerufen. Sechs der acht Bärenarten sind bedroht. Bis auf den Braunbären und den Schwarzbären, nimmt die Zahl aller übrigen Bärenarten weltweit stetig ab. Dieser Tag soll auf diese Bedrohung aufmerksamen machen und ist ein guter Anlass, um diese faszinierenden Tiere den Besuchern noch ein Stück näher zu bringen. Dazu gab es sehr unterschiedliche Ideen und Aktionen, die in diesem Jahr aufgrund der aktuellen Situation natürlich überwiegend online stattfinden mussten. 

Was fasziniert Sie persönlich an diesen Tieren?

Bären sind die größten Landraubtiere auf unserem Planeten. Doch wenn sie nackt und kaum größer als ein Meerschweinchen auf die Welt kommen, ist das noch schwer vorstellbar. Die Aufzucht der wenig entwickelten Jungtiere dauert mit 1,5 bis 2 Jahren relativ lang. Im Vergleich dazu können Fluchttiere wie Antilopen, Giraffen oder Zebras kurz nach der Geburt schon richtig stehen und laufen. 

Für uns Europäer ist die Begegnung mit einem Bären inzwischen eher unwahrscheinlich geworden. Zwar gibt es in einigen Ländern Europas noch kleine Populationen von Braunbären, doch auch die wurden so weit in die verbliebenden wilden Fleckchen zurückgedrängt, dass die Chancen sehr gering sind, je einen zufällig zu Gesicht zu bekommen. Umso wichtiger ist es, dass diese Begegnung der besonderen Art den Menschen bei einem Zoobesuch ermöglicht wird. Einem ausgewachsenen Bären von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen ist ein Erlebnis, das kaum ein Naturfilm vermitteln kann. Durch diese Faszination möchten wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass diese mächtigen und uns kräftemäßig um ein Vielfaches überlegenen Tiere dennoch unseren Schutz brauchen. Denn ihr größter Feind, ist der Mensch.

Zusätzliche zu Ihren Aufgaben als Bärenkurator im Tierpark Berlin kommt Ihnen bei den Brillenbären aber auch noch eine ganz besondere Rolle zu. Sie sind der Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Was genau bedeutet das?

Ich agiere quasi für die europäischen Brillenbären als eine Art Hochzeits- und Wohnungsvermittler. Als EEP-Koordinator ist es meine Aufgabe, die Brillenbären-Population in den europäischen Zoos möglichst stabil und gesund zu halten. Dazu ist es wichtig an einer zentralen Stelle die Informationen zum Verwandtschaftsgrad der Tiere aber auch zum vorhandenen Platzangebot in europäischen Zoos zu bündeln, um zu koordinieren, wer am besten mit wem Nachwuchs bekommen könnte und wo ein Bär ein neues Zuhause sucht bzw. wo es einen geeigneten Platz für ihn gibt.

Warum hat der „Happy Bears Day“ gerade für die Zoologischen Gärten Berlin eine besondere Bedeutung?

In Berlin ist ja quasi fast jeder Tag ein „Happy Bears Day“. Nicht nur im Wappen der Stadt hat der Bär einen festen Platz, sondern spätestens seit Eisbär Knut auch im Herzen der Berlinerinnen und Berliner. Bei uns leben fünf der sechs bedrohten Bärenarten. Mit der Geburt von Eisbärnachwuchs Hertha im Jahr 2018 ist die Stadt wieder im Bärenfieber und seit 2019 der deutschlandweit erste Panda-Nachwuchs im Zoo zur Welt kam, können wir uns eigentlich zurecht schon als „Bärenhauptstadt“ bezeichnen.

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