Die Konferenz für Tiere

Experten des Ex-situ-Artenschutzes treffen sich in Budapest

Wie kann die Arche Zoo noch effektiver werden? Welchen Beitrag können Zoos beim Erhalt welcher Arten leisten? Wie können wir Reservepopulationen in menschlicher Obhut zukünftig noch besser managen? Auf welche Weise können In- und Ex-Situ-Artenschutz besser miteinander verbunden werden? Drei unserer Kuratoren sind gerade beim „Joint TAG Chair Meeting“ in Budapest, um Antworten auf diese und anderen Fragen zu erarbeiten. Mit dabei sind Kuratoren aus den Zooverbänden weltweit. Auch Vertreter des Welt-Zoo-Dachverbandes WAZA und der Weltnaturschutzunion (IUCN) sind vor Ort.

Abseits des Rampenlichts: Die TAGs

Die sogenannten Taxon Advisory Groups (TAGs) gibt es zu unterschiedlichen Gruppen von Tieren, beispielsweise für die Antilopen. Diese Gruppen bestehen aus einer Reihe von Experten zu dieser Art von Tieren. Die Taxon Advisory Groups managen und beraten wiederum die regionalen Erhaltungszuchtprogramme, die für einzelne Tierarten und Unterarten verantwortlich sind - in Europa sind das die EEPs. Anders als bei den EEPs wird die Arbeit der TAGs von der Öffentlichkeit eher wenig wahrgenommen. Zu dieser Arbeitstagung, die alle zwei Jahre stattfindet, kommen die Leiter dieser TAGs zusammen und entwickeln die Arbeitspläne für die nächsten Jahre. Das Ziel ist hierbei auch, die internationale Zusammenarbeit zu stärken und die Ex- und In-situ-Artenschutzgemeinschaft enger miteinander zu verbinden.
 

Alltag für Kuratoren

Tagungen wie diese finden regelmäßig statt und sind fester Bestandteil der Arbeit unserer Kuratoren. Denn um Experten auf ihrem Gebiet zu bleiben, müssen Sie immer auf dem neusten Stand der Forschung und internationalen Artenschutzarbeit sein. Für Laien sind die Inhalte und Ziele solcher zoologischen Fachtagungen oft schwer verständlich.

In einem kurzen Interview gibt uns Christian Kern, stellvertretender Zoologischer Leiter des Tierpark Berlin, einen Einblick in seine Arbeit und erklärt, was bei dieser wissenschaftlichen Tagung gerade passiert.
Herr Kern, wo genau sind Sie und ihre Kollegen gerade?
Christian Kern: Ich bin mit zwei weiteren Kuratoren aus Zoo und Tierpark Berlin gerade in Budapest beim „Joint TAG Chair Meeting“ und den „TAG Midyear Meetings“ das in diesem Jahr vom 30.4.-4.5. 2018 in Budapest stattfindet. Diese Taxon Advisory Groups (TAG) organisieren und betreuen innerhalb des regionalen Zooverbandes das Management der unterschiedlichen EEPs. Bei dieser Tagung, die alle zwei Jahre abwechselnd in Europa und den USA stattfindet, kommen die Leiter der einzelnen TAGs der beiden regionalen Zooverbände EAZA und AZA zusammen. In diesem Jahr sind auch Kollegen aus Japan, Südafrika und Südostasien dabei.
Und was wird bei dieser Tagung diskutiert?
Christian Kern: Bei der aktuellen Tagung wird besonders die Umsetzung des sogenannten „One plan approaches“ in den kommenden Jahren besprochen. Dabei werden gemeinsam Strategien entwickelt, wie zukünftig die Regional Collection Plans aussehen sollen. Die Regional Collection Plans geben vor, welche Tierarten wir aus welchem Grund in unseren Zoos halten und züchten. Sie sind damit eine sehr wichtige Grundlage für die Haltung von Wildtieren in wissenschaftlich arbeitenden Zoos.
In welche Richtung wird es hier in Zukunft gehen?
Christian Kern: Ein wichtiger Schwerpunkt wird zukünftig sein, die Belange des In-Situ-Artenschutzes bei der Ex-Situ-Arbeit mit einzubeziehen und umgekehrt. Deshalb waren auch Kollegen von der Weltnaturschutzunion IUCN mit dabei. Die verschiedenen Fachgruppen der IUCN werden zukünftig viel stärker in die Planung und Neubearbeitung dieser Regional Collection Plans mit einbezogen. So wollen wir sicherstellen, dass die Ex- und In-Situ Bemühungen zukünftig noch mehr Hand in Hand gehen und aufeinander abgestimmt sind. Am Ende geht es darum, dass wir mit unseren Tieren und Populationen zum Erhalt einer Art beitragen. Die Unterscheidung von Ex- und In-Situ wird dabei für einige Tierarten in Zukunft kaum noch von Bedeutung sein.
Welche Rolle spielt der Tierpark Berlin bei der Rettung bedrohter Tierarten?
Die Reservepopulationen von bedrohten Tierarten in menschlicher Obhut sind bzw. werden bei bestimmten Arten ein immer wichtigerer Bestandteil des globalen Artenschutzes. Für einige Tierarten sind sie schon jetzt im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig. Im Tierpark Berlin arbeiten wir maßgeblich in den beiden EAZA TAGs für Hirsche und für Antilopen/Giraffen, aber auch bei den Lemuren mit. Zu diesen Tiergruppen gehören jeweils sehr viele unterschiedlich stark bedrohten Arten. Der Zoo Berlin engagiert sich in erster Linie für asiatische Singvögel, ist aber auch in anderen Vogel-TAGs aktiv.
Ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit!

Kommentar verfassen

* Pflichtangaben

Kommentare

Keine Kommentare