Historie des Zoo Berlins

 „Wer Zukunft gestalten will,  muss einen Blick in die Vergangenheit werfen.“

(Dr. Andreas Knieriem, Direktor Zoo und Tierpark Berlin)

Vom königlichen Vergnügen zum artenreichsten Zoo der Welt

1844 gegründet, ist der Zoo Berlin der älteste Zoo Deutschlands
und der neuntälteste der Welt

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen sei Dank: Seine ausgeprägte Leidenschaft
für exotische Tiere legte den Grundstein für den Zoo Berlin. Auf der romantischen Pfaueninsel, noch heute ein beliebtes Ausflugsziel in der Havel, legte er gemeinsam mit seiner ersten Frau Luise von Preußen Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine stattliche Ménagerie an, die auch Besuchern zugänglich war.

Zu Pfauen, Schafen und Büffeln, Hirschen und Schweinen gesellten sich alsbald zahlreiche Vögel sowie Mungos, Waschbären und sogar Kängurus, Affen, Nasenbären und ein Pekari. Viele der tierischen Bewohner waren Geschenke, doch kaufte der König auch Bestände hinzu wie beispielsweise Teile der großherzoglichen Ménagerie zu Karlsruhe.

Nach Wilhelms Tod bestieg sein Sohn Wilhelm IV. 1840 den Thron und erbte quasi einen Privatzoo, für den er allerdings keinerlei Leidenschaft aufbrachte.

Die Stunde Lichtensteins hatte geschlagen…

Martin Hinrich Lichtenstein, seinerzeit Direktor des Zoologischen Museums und Professor an der Berliner Universität, war bereits königlicher Berater unter Wilhelm III. und führte Oberaufsicht über dessen Tierbestand. Er verfolgte schon einige Jahre den Gedanken, einen privaten zoologischen Garten zu gründen und sah seine Chance gekommen. Gemeinsam mit dem Naturforscher Alexander von Humboldt und Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné überzeugte er den König, viele Tiere und einen Teil der Gebäude zur Verfügung zu stellen. Dieser schenkte daraufhin seine im Tiergarten gelegene Fasanerie und die auf der Pfaueninsel gehaltenen Tiere der Berliner Bevölkerung.

Nach dreijähriger Bauzeit eröffnete am 1. August 1844 der Zoologische Garten Berlin. Die Anfänge, sozusagen ehrenamtlich verwaltet von Hinrichs, Humboldt und Lenné, gelten als mühsam und wenig erfolgreich. 1845 wurde der Zoo Aktienverein. Bis heute ist er Aktiengesellschaft und befindet sich weitestgehend in privater Hand.

Fasanerie im Zoo Berlin, 1900

Zwei Kölner an der Spree: Blütezeiten unter Bodinus und Heck

1869 übernahm Dr. Heinrich Bodinus, bis dato Direktor des Zoologischen Garten Kölns, die Geschicke des Parks und läutete den Aufwärtstrend ein.

Durch Ausgabe neuer Aktien beschaffte er frisches Kapital, um ein modernes Konzept zu verfolgen: Weitere Tierarten zu zeigen, Musikpavillons, Terrassen und ein Restaurant fürs Amüsement zu schaffen und neue, exotisch anmutende Häuser zu errichten. Besucherzahlen und Einnahmen stiegen spürbar. Der Zoo Berlin entwickelte sich nun auch zu einem Ort für die feine Berliner Gesellschaft. Die Anbindungen an die Stadtbahn brachte aber auch immer mehr Berliner in "ihren" Zoo.

Prägend hingegen war neben Bodinus Ludwig Heck. Heck, wie Bodinus ehemaliger Kölner Zoodirektor, führte den Park nach Schmidts Tod von 1888 bis 1931. Mit nur 28 Jahren trat er das Erbe an und entwickelte den Zoo Berlin zu einem der artenreichsten der Welt. Heck werden nennenswerte Zuchterfolge bei den Asiatischen Elefanten, Orang Utans und Schimpansen zugeschrieben.

In den Blütezeit-Jahren unter Bodinus und Heck entstanden neben dem berühmten Elefantenportal an der Budapester Straße zum Beispiel das Antilopenhaus, das Elefantenhaus, das Straußenhaus, das Affenpalmenhaus und das Große Raubtierhaus. Sie wurden allerdings auch zur Kulisse der heute als menschenverachtend angesehenen "Völkerschauen" bei denen indigene Menschen aus verschiedenen Erdteilen, oft gegen ihren Willen zur Schau gestellt wurden. 

Im Jahr 1913 wurde unter der Regie von Heck das vom Verhaltensforscher Oskar Heinroth entworfene Aquarium eröffnet.

Totale Anpassung - der Zoo im Nationalsozialismus

Lutz Heck beerbte seinen Vater im Jahr 1932 in der Leitung des Berliner Zoos. Heck Junior modernisierte den Park erneut, ließ Gitter durch Gräben ersetzen und großzügige Freianlagen mit Naturstein errichten. Affenfelsen, Löwensteppe und Felsenanlagen für Braunbären, Wölfe, Steinböcke & Co. stammen beispielsweise aus dieser Zeit. Neben diesen zoologischen Erfolgen aber gehört zum historischen Erbe Lutz Hecks auch, dass er, der bereits 1933 förderndes Mitglied der Schutzstaffel (SS) war, den Zoo zusammen mit seinem Vorstandskollegen Hans Ammon und dem Aufsichtsrat schnell und vollständig an den Nationalsozialismus anpasste. Unter seiner Ägide wurden die jüdischen Aufsichtsratsmitglieder aus dem Gremium gedrängt. Die durch die nationalsozialistische Verfolgung bewirkte Zwangslage jüdischer Aktionärinnen und Aktionäre nutzte der Zoo, um einige Aktien unter Wert aufzukaufen und zu einem höheren preis wieder zu verkaufen.

Noch bevor Juden durch Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten der Besuch von Vergnügungsstätten untersagt wurde, diskutierte der Zoo-Aufsichtsrat die Anbringung von Schildern, die jüdische Besucher als "unerwünscht" diskriminieren sollten.

Heck biederte sich bei den Mächtigen des NS-Staates wie Hermann Göring an und diente dem Regime in leitender Funktion im Reichsforstamt. Ab 1937 war er Mitglied der NSDAP und spätestens ab 1941 wurden im Zoo Berlin auch ausländische Zwangsarbeiter ausgebeutet.

Zerstörung, Wiederaufbau, Zuchterfolge

Der Zoo Berlin zählte 1939 über 4.000 Tiere in 1.400 Arten – nur 91 Tiere überlebten den Krieg.

Während der Bombenangriffe 1943 und 1944 und selbst noch während der Endkämpfe wurde nahezu zerstört, was in 100 Jahren zu stattlichem Erfolg geführt worden war. Tierpfleger kümmerten sich aufopferungsvoll um all die überlebenden Tiere, darunter der beliebte Flusspferdbulle Knautschke, Elefantenbulle Siam und Schimpansin Suse.

Als erste Zoodirektorin Deutschlands übernahm Dr. Katharina Heinroth die schwierige Aufgabe, den zerstörten Zoo aus den Trümmern wiederaufzubauen. Das Aquarium, seinerzeit geplant von ihrem Mann Oskar Heinroth, wurde instandgesetzt und das Antilopenhaus wieder zum Leben erweckt. Das Elefantenhaus und das Flusspferdhaus waren vollständig zerstört und wurden unter ihrem Einsatz völlig neu errichtet.

Berlin: Eine Stadt, zwei Zoos

Bedingt durch die Teilung Deutschlands eröffnete die DDR 1955 unter Zoodirektor Heinrich Dathe ihren „eigenen Zoo“, den Tierpark Friedrichsfelde, der heute mit 160 Hektar der größte Landschaftstiergarten Europas gilt.

1956 ging die engagierte Direktorin in den Ruhestand. Ihr folgte Dr. Heinz-Georg Klös, vormals Direktor des Tiergartens Osnabrück. Viele der heutigen Tieranlagen und Gebäude gehen auf seine Amtszeit zurück, zum Beispiel Affenhäuser, Bärenanlagen und das Raubtierhaus mit Nachtabteilung.
In den 1970er und 1980er Jahren wurden architektonisch bedeutende Bauten wie das Elefantentor wieder aufgebaut und der Zoo Berlin konnte viele Zuchterfolge aufweisen, die den Grundstein für heute erfolgreiche Gruppen wie die seltenen Spitzmaulnashörner, Przewalskipferde oder Weißbartpekaris bilden.

Durch die historische Besonderheit einer geteilten Stadt gab es in Berlin nach der Wiedervereinigung zwei Zoos, jeder mit eigenem Besonderheiten und Stärken. Zügig bestand Einigkeit über eine enge Kooperation der Parks, die bis heute andauert und in Zukunft weiter ausgebaut werden wird. Direktor der Wendejahre war Dr. Hans Frädrich, der den Zoo Berlin von 1991 bis 2002 leitete. Unter seiner Regie entstanden unter anderem das futuristische Flusspferdhaus, die Pinguin- und Robbenanlagen.

Bernhard Blaszkiewitz war der erste Direktor, der Zoo, Aquarium und Tierpark vorstand. 2008 wurde Gabriele Thöne zum kaufmännischen Vorstand der Zoo AG sowie zur Geschäftsführerin der Tochtergesellschaft Tierpark Berlin GmbH neben Blaszkiewitz ernannt. In diesen Jahren wurde unter anderem die Schimpansenanlage umgestaltet, das Gorilla-Freigehege, die neue Orang-Utan-Anlage und das Vogelhaus im Zoo eröffnet. Im September 2013 legt Gabriele Thöne ihr Amt nieder.

Zoo 2.0 - Zukunftsfähige Konzepte für Zoo und Tierpark

Im Frühjahr 2014 trat Dr. Andreas Knieriem an, um Zoo, Aquarium und Tierpark für die Zukunft zu gestalten.

Knieriem war als einer der führenden Köpfe maßgeblich an der Neuausrichtung und Konzeption des Erlebnis-Zoo Hannover sowie des Tierpark Hellabrunn beteiligt, dessen Direktor und alleiniger Vorstand er bis zu seinem Wechsel nach Berlin war. Er ist überzeugter Kämpfer für Natur- und Artenschutzthemen, für die er Menschen begeistern möchte. Entsprechend plädiert Knieriem für eine zeitgemäße Begegnung von Mensch und Tier. In einem Ziel- und Entwicklungsplan hat Knieriem gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Experten umfassende Pläne für Zoo und Tierpark Berlin bis zum Jahr 2030 vorgestellt.