Bartgeier

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Bartgeier in den Alpen ausgerottet

Der Bartgeier ist als eine der imposantesten Greifvogelarten Europas in den Alpenregionen beheimatet. Von anderen Geierarten unterscheidet er sich im Wesentlichen im Aussehen, Verhalten und Nahrungserwerb. Im Gegensatz zu aasfressenden Geiern, ernährt sich ein Bartgeier meist von Knochen. Diese Nahrung kann er konkurrenzlos nutzen, da ihn seine besonders aggressiven Magensäfte befähigen, Knochen zu verdauen.

Lange Zeit wurde der Bartgeier als Jäger von Lämmern und Gämsen gesehen und man sagte ihm sogar nach, er verschleppe ab und zu Kinder. Entsprechend groß war die Jagd durch Menschen auf diesen Geier, sodass seine Art Anfang des 20. Jahrhunderts in den Alpen restlos ausgerottet war. Auch wenn Bartgeier in ihrem weltweiten Gesamtbestand nicht bedroht sind – in Europa wird ihre Art als gefährdet gelistet.

Internationale Zusammenarbeit zur Wiederansiedelung von Bartgeiern

Der Berliner Zoo arbeitet eng mit der Vulture Conservation Foundation (VCF) im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes für den Schutz und die Wiederansiedlung der Bartgeier in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet zusammen. Unser gemeinsames Ziel ist, wieder eine stabile Metapopulation in Europa aufzubauen. Dadurch würde die europäische Population auf Kreta, Korsika und in den Pyrenäen nicht länger von den Populationen in Nordafrika und Asien isoliert sein.

1978 startete das internationale Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen. Hierzu werden einige junge Bartgeier aus Zoos und Tierparks genutzt, während andere für Zuchtstationen des Projektes bereitgestellt werden, um die genetische Variabilität möglichst groß zu halten und auch hier für Nachkommen zu sorgen.

Nun fliegen die imposanten Bartgeier wieder in den Alpen

1986 wurden die ersten Vögel im Nationalpark Hohe Tauern in Österreich entlassen. Über 70 geschlüpfte Jungvögel in freier Wildbahn wurden bereits gezählt. Durch den Einsatz des Wiederansiedlungsprojekts lebten 2013 wieder mehr als 200 Individuen in vier Nationalparks in den Alpen. Da das Projekt so erfolgreich verläuft, wurde die Wiederansiedlung des Bartgeiers ab 2005 auch auf Spanien ausgeweitet. Insgesamt wurden schon mehr als 170 in Zoos geborene Jungvögel ausgewildert. Die Bemühungen gehen weiter, denn um den Bestand dauernd zu sichern, müssen noch weitere im Zoo geborene Jungvögel freigesetzt werden.