Sieben auf einen Streich, kann man das wirklich schaffen?

„Indes stieg der Geruch von dem süssen Mus hinauf an die Wand, wo die Fliegen in grosser Menge sassen, so dass sie herangelockt wurden und sich scharenweis darauf niederliessen.“
Das tapfere Schneiderlein ärgert sich so sehr, dass die Fliegen sein kostbares Pflaumenmus vernaschen, dass es wütend nach ihnen schlägt – und einen Volltreffer landet: Sieben auf einen Streich! Und mit dieser Leistung geht der Fliegenjäger ganz zu recht hausieren, denn selbst eine Fliege mit Küchenhandtuch oder Klatsche oder gar mit der Hand zu erwischen erfordert schon sehr viel Geschick und Schnelligkeit. Aber warum ist es eigentlich so schwer eine Fliege zu fangen und warum sind die kleinen, lästigen Insekten uns fast immer eine Flügellänge voraus?

Flinke Ausweichkünstler mit Riesenblickfeld
Die Antwort ist ernüchternd: das Fliegengehirn ist unserem haushoch überlegen – zumindest in puncto Schnelligkeit. Fliegen reagieren wesentlich schneller als Menschen. Ein Grund dafür ist ihr Facettenauge das Ihnen im Gegensatz zum Menschen einen Rundumblick verschafft.  Solch ein Facettenauge setzt sich aus zigtausenden kleinen Augen zusammen, das jeweils nur einen einzigen Punkt des gesamten Bildes sieht, wobei die Auflösung des Bildes deutlich geringer ist als beim menschlichen Linsenauge.

Angriff in Zeitlupe
Auch die Lichtsinneszellen nehmen die Veränderung von Licht viel schneller wahr – und damit kündigte sich auch eine zum Schlag ausholende Hand für die Fliege sehr langsam an. Grund für die schnelle Wahrnehmung sind die kurzen Wege im kleinen und einfachen Fliegenhirn. Während unser Gehirn ca. 20 Bilder pro Sekunde wahrnehmen kann, schaffen Fliegen 200. Was für uns ein Film ist, wäre für eine Fliege also nur eine Diashow. Das bedeutet, dass die schlagende Hand des Schneiders den Fliegen wie eine Zeitlupe erschienen sein muss.

Fazit: Um mehr als ein Paar Facettenaugen mit eng gekoppeltem Turbogehirn auszutricksen, braucht man schon wirklich verführerisches Pflaumenmus!

...und wenn diese fantastischen Tiere nicht ausgestorben sind, dann leben sie noch morgen.

Das Ende

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