Was passiert, wenn ich einen Frosch küsse?

Da packte sie ihn mit zwei Fingern, trug ihn hinauf und setzte ihn in eine Ecke. Als sie aber im Bett lag, kam er gekrochen und sprach: "Ich bin müde, ich will schlafen so gut wie du: heb mich herauf, oder ich sag's deinem Vater." Da ward sie erst bitterböse, holte ihn herauf und warf ihn aus allen Kräften wider die Wand: "Nun wirst du Ruhe haben, du garstiger Frosch." Als er aber herabfiel, war er kein Frosch, sondern ein Königssohn mit schönen und freundlichen Augen.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass die Königstochter den Frosch küsst, woraufhin er zurück in einen Prinzen verwandelt wird, wirft sie ihn im Originaltext tatsächlich an die Wand. Dass dies in keinem Fall der richtige Umgang mit einem hübschen, jungen Königssohn – geschweige denn mit einem Frosch ist – steht außer Frage.

Berauschendes Erlebnis
Doch folgen wir der romantischen Interpretation der Bitte, dass Bett mit der Königstochter teilen zu dürfen, und betrachten die Geste des Kusses und seine Folge: Was passiert, wenn ich einen Frosch küsse? Antwort: In der deutschen Natur höchstwahrscheinlich gar nichts! Keine der sieben bei uns heimischen Froscharten stellt für uns eine Gefahr dar – sofern es bei einem kleinen Küsschen bleibt. Ein leidenschaftlicher Kuss nach französischer Art ist hingegen wenig empfehlenswert. Auch wenn vermutlich kein Prinz zum Vorschein kommt, kann das Erlebnis dennoch berauschende Wirkung zeigen.

Der bunte Prinzessinnen-Schreck
Anders sieht es beispielsweise in Südamerika aus. Hier haben zahlreiche knallbunte Giftfrösche ihr Zuhause. Als eines der giftigsten Tiere der Welt gilt dabei der Schreckliche Pfeilgiftfrosch aus Kolumbien. Auf seiner Haut produziert er das Alkaloid Batrachotoxin, ein starkes Nervengift, das zu den wirksamsten Giften überhaupt gehört. Die Ureinwohner Kolumbiens haben es für ihre tödlichen Blaspfeile verwendet.  Die Substanz blockiert Nervenimpulse, was zu einer fast schlagartigen Muskel- und Atemlämung führt - Gegenmittel unbekannt.

Küssen verboten
Der Schreckliche Pfeilgiftfrosch besitzt auf seiner Haut genug Batrachotoxin um 20 000 Mäuse oder aber 10 erwachsene Menschen zu töten - eine wirksame Abwehr gegen lästige Möchtegern-Prinzessinen. Auch zum Schutz gegen Bakterien und Pilze, die sich auf der stets feuchten Haut der Amphibien ansiedeln würden, ist das Gift nützlich. Auch wenn es seine volle Wirkung erst in der Blutbahn entfaltet, ist bei diesen Vertretern von einem Kussversuch á la Froschkönig in jedem Fall abzuraten!

Gefährliches Futter
Entwarnung gilt für Nachzuchten. Selbst Wildfänge verlieren außerhalb ihres natürlichen Lebensraums nach 6 - 12 Monaten ihre Giftigkeit. Der Grund scheint in der Nahrung zu liegen. US-Forscher haben entdeckt: wenn die Frösche Insekten fressen, isolieren sie Alkaloide aus ihrer Mahlzeit und reichern die bitter-schmeckenden, giftigen Verbindungen in ihrer Haut zu einer gefährlichen Konzentration an.

Fazit: No french kissing! Wildfänge meiden! Vorsicht bei Knall-Fröschen!

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