Kapitel 2

Sind Wildschweine wirklich Wüstlinge?

„Der Schneider sollte ihm [dem König] vor der Hochzeit erst ein Wildschwein fangen, das in dem Wald grossen Schaden tat; die Jäger sollten ihm Beistand leisten.[…] Als das Schwein den Schneider erblickte, lief es mit schäumendem Munde und wetzenden Zähnen auf ihn zu und wollte ihn zur Erde werfen…“
Während die domestizierte Form des Schweins bei Hans im Glück noch recht harmlos daher kommt und als guter Braten angepriesen wird, sorgt der wilde Verwandte beim tapferen Schneiderlein für Chaos und Verwüstung im Wald.

Sauerei
Wer in Wald und Feld schon einmal die unordentlichen Löcher und Furchen entdeckt hat, kann den Ärger des Königs möglicherweise nachvollziehen. Denn bei diesen Kraterlandschaften, die inzwischen auch in städtischen Gärten und Parks zu finden sind, handelt es sich in der Tat oft um die Spuren von Wildschweinen.

Wütenden Vandalen?
Ob Wild- oder Hausschwein – das Wühlen scheint ihr liebstes Hobby zu sein. Das „Gebrech“ – wie man die Schnauze der Schweine nennt – ist so kräftig, dass sie damit selbst harte und steinige Böden aufbrechen können. Diese Wühlaktionen sind weder anarchistisch motiviert, noch sind sie die Ergebnisse blinder Zerstörungswut. Sie sind lediglich das Nebenprodukt der ganz normalen Nahrungssuche.  Denn im Erdreich verbergen sich neben Wurzeln und Insektenlarven auch köstliche Leckerbissen wie Mäusenester.

Gärtner im Auftrag der Natur
Was für Bauern und Gärtner ärgerlich bis teuer werden kann, ist für die Natur aber von großem Nutzen: Der Boden wird aufgelockert, das Wachstum von Pflanzen gefördert und die Insekten- und Mäusepopulationen werden von den Wildschweinen im Gleichgewicht gehalten.

Fazit: Die vermeintlichen Vandalen sind umweltbewusste Gärtner– ihren feinen Nasen haben wir sogar den Genuss der Trüffel zu verdanken!

Kommentar verfassen

*
*

* Pflichtangaben

No comments