Kaum größer als ein Hase

Auf der Suche nach dem kleinsten Hirschen der Welt

Mittagspause im Hirschrevier. Ich sitze mit meiner Stulle auf der „Hirschbank“ und blinzle in die warme Frühlingssonne. Bei der Hirschbank handelt es sich um eine der Bänke im Hirschrevier – zumindest nennen wir sie im Team so. Hier verbringen wir bei schönem Wetter die Mittagspause. Es gibt zahlreiche Bänke im Zoo Berlin, doch die Hirschbank ist uns die Liebste. Hier gibt es zwar keinen spektakulären Blick auf Elefanten, Giraffen, Gorillas oder Seelöwen. Dafür Sonnenschein, Tannen, Vogelgezwitscher, Ruhe vom bunten Treiben auf den Hauptwegen. Und natürlich Hirsche. Dafür braucht man allerdings ein gutes Timing und viel Geduld. Zur Mittagszeit haben wir noch nie ein Tier zu Gesicht bekommen. Dabei kann sich die Auswahl an Hirschen im Zoo Berlin sehen lassen: Chinesische Wasserrehe, Muntjaks, Sikahirsche, Axishirsche, Barasinghas, Waldrentiere und Damhirsche, Prinz-Alfred-Hirsche, Südpudus

Aprops Südpudu: Hier lohnt sich ein Besuch ganz besonders, denn zwei winzige Kitze streunen derzeit durch das Gelände. Im Februar und März wurden zwei Jungtiere geboren. Beide Tierkinder tragen noch das typische getupfte Jugendkleid und sind so winzig, dass sie noch schwerer zu entdecken sind als die knapp 40cm hohen Eltern. Bei den kleinen Hirschen handelt es sich um ein Männchen und ein Weibchen. Die beiden haben zwar unterschiedliche Mütter, der Papa ist aber derselbe. Halbgeschwister also.


Dass Pudus in Gruppen (mehr als zwei Tiere) zusammen leben ist recht ungewöhnlich, verrät Tobias Rahde, Kurator für Hirsche im Zoo Berlin. In der Natur wurden noch nie mehr als zwei Pudus zusammen gesichtet. Die Pudu-Gruppe im Zoo Berlin ist scheinbar ungewöhnlich harmonisch: Wenn der Hunger kommt, dürfen die beiden Pudu-Kinder bei der Hirschkuh ihrer Wahl trinken.


Die Hirschbank befindet sich direkt gegenüber der Pudu-Anlage. Perfekt! Konzentriert kneife ich die Augen zusammen und versuche eines der Tiere zu entdecken. Hat sich da gerade etwas im Gebüsch bewegt? Enttäuschung: Nur ein Spatz.

Beste Zeit für einen Besuch im Hirschrevier

Das lässt mir keine Ruhe und ich frage nach: Wann ist die beste Zeit für einen Besuch im Hirschrevier? Kurator Tobias Rahde rät, gleich nach Öffnung des Zoos den Weg zu den Hirschen einzuschlagen. Zwischen 8 und 10 Uhr sowie am Abend stehen die Chancen am besten. Da Hirsche potentielle Beutetiere sind, trauen sich diese nur früh am Morgen und in der Abenddämmerung aus ihrer Deckung. Tagsüber verstecken sie sich intuitiv im Stall oder hinter Bäumen und Gebüsch. Die Pudus sind so klein, dass man diese in ihren Verstecken kaum ausmachen kann. Mit ein bisschen Glück und Geduld lassen sich die Pudus aber gern beobachten. Kommen die Pfleger mit Leckereien, werden die sonst so scheuen Tiere sogar regelrecht zutraulich.

Morgen werde ich um 9:00 Uhr im Hirschrevier stehen - und sicher mehr Glück haben.

Lebensraumverlust und Bejagung bedrohen den Pudu

Wer glaubt, Hirsche sind langweilig und gibt es wie Sand am Meer täuscht sich: Der Pudu ist laut der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft.  Eigentlich leben Pudus in einem kleinen Gebiet in Südamerika. Dieses Gebiet ist ein regelrechtes Zwergenland. Sowohl die Tiere als auch die Vegetation sind tendenziell kleiner als anderswo. Warum das so ist, weiß niemand. Vermutet wird, dass es etwas mit dem dortigen Klima zu tun hat. Vom kleinen Pudu leben dort nur noch unter 10.000 Tiere. Durch Wilderei und Lebensraumverlust  ging der Bestand in den letzten 12 Jahren um knapp 30% zurück. Für die nächsten 12 Jahre werden weitere 30% Rückgang prognostiziert.

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