Eine Baby-Cam für die Baby-Lieferanten

Neueste Technik gibt einen Einblick in die Kinderstube der Abdimstörche

Wer in den letzten Wochen den Zoo besucht hat, wird bemerkt haben, dass die Storchenvoliere dem Zoobesucher nun neue Einblicke ins Storchenleben ermöglicht. Nicht nur die Voliere selbst wurde von Grund auf umstrukturiert, auch neue Technik hat bei  der Storchen-Familie Einzug gehalten. Ein Monitor gibt dem Besucher nun einen Eindruck davon, wie es hoch oben in der Wohnstube der Abdimstörche aussieht. Wir führten ein kurzes Gespräch mit Kurator Dr. Tobias Rahde, um herauszufinden, was es damit auf sich hat. genau dahinter steckt.

Lieber Herr Dr. Rahde, seit kurzem ist die Storchenvoliere sowohl von außen als auch von innen nicht mehr wiederzuerkennen. Könnten Sie uns kurz erklären, was sich hier verändert hat?

Die gesamte Storchenvoliere wurde von Grund auf umgebaut. Ursprünglich waren hier auf einem einheitlichen Untergrund viele unterschiedliche Tierarten aus aller Welt anzutreffen. Nach den Umbaumaßnahmen und Neustrukturierungen ist sie nun zu einer reinen Afrika-Voliere geworden. Die Tiere finden hier vielfältige Untergründe vor: Sand, Erde, Kies, eine Grasnarbe und ein Wasserbecken. Die Landschaft der Voliere ist nun an den natürlichen Lebensraum der Vögel angelehnt und es wohnen hier Abdimstörche, Weißstörche, Kuhreiher und bald auch Witwenpfeifgänse zusammen.

Die für den Besucher spannendste Änderung ist eine Kamera mit Monitor. Wer kam auf diese Idee und welche Funktion hat sie?

Auf die Idee kamen die Tierpfleger. Die Horstbäume waren nicht nur den Zoobesuchern sondern ebenso den Tierpflegern bislang nicht einsehbar. So konnte man bisher den Nachwuchs der Abdimstörche erst sehen als er längst ausgewachsen war. Nun können wir von Beginn an erkennen, wer die Eltern sind und wie viele Jungtiere geschlüpft sind. Gerade für das Tiermanagement ist dies eine enorme Verbesserung. Jetzt kann man sich rechtzeitig auf die Suche nach Plätzen in anderen Zoos machen. Ob zwei Vögel oder zwölf abzugeben sind macht schon einen deutlicher Unterschied. Aber nicht zuletzt ist die Kamera für die Zoobesucher spannend, die erstmals Livebilder vom Nachwuchs der Abdimstörche sehen können. Und da die Kamera in den kommenden Wochen auch mit dem Internet verbunden wird, In den kommenden Wochen werden die Bilder auch online zu sehen sein - Interessierte können zukünftig also auch von Zuhause aus in die Kinderstube der Störche blicken.

Ab wann ist der Nachwuchs bei den Abdimstörchen  zu erwarten?

Mit Hilfe der Kamera haben wir zwölf Eier gezählt wobei man sagen muss, dass nicht jedes Ei auch automatisch Nachwuchs bedeutet. In der letzten Woche sind die ersten Jungtiere geschlüpft. Die Abdimstörche sind Koloniebrüter und legen ihre Eier im Abstand von ein bis zwei Wochen mit einer Brutzeit von 30 Tagen. Daher erwarten wir in den kommenden Tagen und Wochen, noch einige Jungtiere. Wer in den nächsten Tagen in den Zoo kommt, wird dank der neuen Kamera gute Chancen haben junge Abdimstörche zu erblicken.

Sind ähnliche Projekte auch bei anderen Tieren geplant?

Die Videokamera, die wir durch einen Spendenaufruf in der Zeitschrift Zoomomente finanzieren konnten, ist vielfältig einsetzbar. Wir haben ein Model gekauft, das auch an anderen Standorten im Zoo installiert werden kann. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Zoo- und Homepagebesucher zukünftig noch weitere Tierarten live näher betrachten können.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Kommentar verfassen

*
*

* Pflichtangaben

No comments