Alles außer gewöhnlich

Wie Chamäleons Farbe bekennen

In der Welt der Reptilien gibt es schon einige bizarre Kuriositäten in allen Formen und Farben zu bestaunen. Zu den faszinierendsten Vertretern gehören zweifellos die Chamäleons. In diesem Beitrag wollen wir das gut gehütete Geheimnis der tierischen Farbenkünstler lüften.

Meister der Farbenlehre

Tierisches Holi-Festival – Eine farbenfrohe Achterbahnfahrt der Gefühle

Die bunteste Farbenschlacht ist oft zu beobachten, wenn zwei Männchen um die Gunst eines Weibchens buhlen. Dabei gilt: Das hellere Kerlchen gewinnt! Ein dominantes Männchen trägt grundsätzlich hellere Farben zur Schau und zieht die Damen damit magisch an. Eher unterwürfige Herren zeigen sich in zurückhaltendem Braun oder Grau. Auch die Schnelligkeit des Farbwechsels spielt beim Konkurrenzkampf eine Rolle. So weiß Frau auf den ersten Blick, worauf sie sich einlässt! Die Damen signalisieren den farbenfrohen Herren ebenfalls mit der Wahl ihrer Hautfarbe, ob Interesse geweckt wurde oder nicht. Wer braucht da noch Parship, Tinder & Co?

Praktisch: Auch eine frohe Botschaft kann auf der Haut bekannt gegeben werden – mit bestimmten Tönen signalisieren Chamäleon-Damen eine Schwangerschaft. Und bei Desinteresse hilft die Tarnhaut beiden Geschlechtern auch prima beim Abtauchen.

Mysteriöser Farbenzauber

Doch nun zum Kern der Sache: Was ist das Geheimnis hinter dem mysteriösen Farbwechsel? Was hat das Chamäleon, das wir nicht haben? Warum können wir uns morgens nicht die Farbe aussuchen, nach der uns gerade der Sinn steht?

Was genau in der Haut der Chamäleons passiert, gab den Forschern bis vor kurzem noch viele Rätsel auf. Diese scheinen nun endlich beantwortet. Um der Lösung auf die Spur zu kommen, brauchen wir allerdings ein Mikroskop, denn die Antwort auf die Frage versteckt sich tief in den Hautzellen.

Vorsicht: Fremdwörter-Alarm

Physik, Kunst, Biologie – Hätten wir in der Schule bloß besser aufgepasst!

Achtung, jetzt wird es wissenschaftlich: Chamäleons haben insgesamt vier übereinanderliegende Hautschichten. Die erste, oberste Schicht, die Epidermes, ist nur zum Schutz da, die vierte und unterste kann nur weiß reflektieren. Spannend sind die beiden dazwischenliegenden Schichten, mit hoch spezialisierten, pigmenthaltigen Zellen, die „Iridophoren“ genannt werden. Diese Iridophoren können mithilfe winzig kleiner Kristalle Licht reflektieren. Diese sogenannten Nanokristalle in den Pigmentzellen sollen verantwortlich für die erstaunliche Fähigkeit zum Farbwechsel sein. Beim Farbwechsel hat jede Hautschicht eine andere Aufgabe.  Die zweite Schicht hat überwiegend gelbe und rote Pigmente, in der dritten Schicht finden sich dunkle Pigmente, die Braun- und Blautöne erzeugen können. In diesen beiden mittleren Schichten sind die winzigen Nanokristalle in Form eines Gitters angeordnet. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Abstand der Mini-Kristalle über die Farbe des Chamäleons entscheidet. Ist ein Chamäleon entspannt, liegen die Kristalle in seiner Haut eng beieinander und reflektieren kurzwelliges, blaues Licht, das auf die gelblichen Pigmente der zweiten Hautschicht trifft. Da wir auch beim Herumspielen mit dem Tuschkasten im Kunstunterricht gelernt haben, dass Gelb und Blau Grün ergibt, erklärt sich so die grüne Farbe unserer entspannten Jemen-Chamäleons.

Chamäleons sind reine Emotionsampeln

Doch wie können die Chamäleons nun ihre Hautfarbe ändern? Da wiederum kommt auch der Chemieunterricht ins Spiel. Wenn sich das Chamäleon aufregt, sorgen Nervenimpulse und Änderungen im Hormonspiegel dafür, dass sich das Kristallnetz in ihren Zellen verändert. Sie rücken dann weiter auseinander als bei Entspannung und reflektieren das langwellige rote Licht, anstatt blaues kurzwelliges. So kann das Chamäleon seine Farbe in Richtung Gelb und Orange ändern. Die Schnelligkeit des Farbwechsels richtet sich vor allem nach der Größe der Tiere und kann von einigen Sekunden, bis zu wenigen Minuten dauern. Grundsätzlich gilt: Je kleiner, desto schneller!

An dieser Stelle soll auch mit einem Vorurteil aufgeräumt werden: Chamäleons können – entgegen der Darbietung des Ray-Ban-Werbechamäleons – nicht jede erdenkliche Farbe annehmen. Jede Unterart hat ein bestimmtes Repertoire an Schattierungen und Mustern. Würden wir unser Jemen-Chamäleon also auf eine Regenbogen-Flagge setzen, werden unsere Erwartungen an ein rot-, gelb-, grün-, blau-, lila-gestreiftes Reptil enttäuscht.

Zusammengefasst:

  • Der Gemütszustand eines Chamäleons löst bestimmte Nervenimpulse und Hormonveränderungen aus.
  • Diese sorgen dafür, dass sich die Anordnung der Pigmentzellen verändert.
  • Durch Ausweiten und Zusammenziehen der Zellen in den verschiedenen Hautschichten werden unterschiedliche Farbtöne und Muster erzeugt.

Staunen ohne Ende

Wem diese Verwandlungskünste noch nicht ausreichen, hier sind fünf weitere Gründe, warum unsere Jemen-Chamäleons beim nächsten Aquarium-Besuch ein absolutes „Must-See“ sind:

  1. Die perfekte Überwachungskamera: Chamäleons haben ein Sichtfeld von 360 Grad und können in zwei Richtungen gleichzeitig sehen. Die kreisförmigen Augenlider lassen nur ein kleines Loch für die Pupille und können unabhängig voneinander rotieren und fokussieren.
  2. Fast Food: Die Zunge eines Chamäleons kann doppelt so lang werden wie sein Körper. An ihrem Ende ist sie wie ein muskulöser Saugnapf geformt, was beim schnellen Umschließen großer Insekten hilft. Wenn Sie zum Fangen herausgeschleudert wird, erreicht sie bei einigen Chamäleons eine Geschwindigkeit wie ein Auto, das von null auf hundert in einer hundertstel Sekunde beschleunigt. Das Fangen der Beute geschieht damit in nur 0,07 Sekunden! Wie auch beim Farbwechsel gilt hier: Je kleiner, desto schneller!
  3. Der Schwanz hat alles im Griff: Im Unterschied zu anderen Echsen kann ein Chamäleon seinen Schwanz nicht abwerfen. Das wäre auch unpraktisch, denn das Chamäleon kann damit einen Ast fest umschließen. Als eine Art fünfter Fuß ist er damit beim Klettern eine riesige Hilfe.
  4. Fuß gefasst: Die Füße des Chamäleons sind ebenfalls perfekt an das Leben in Bäumen angepasst. Die fünf Zehen schließen sich zu zwei Paaren zusammen, sodass sich das Reptil wie mit einer Zange fest an einen Ast klammern kann.
  5. Großartig: Chamäleons variieren nicht nur in Form und Farbe, sondern auch in der Größe. Die Männchen der kleinsten Art werden gerade einmal 1,5 cm, während die größten Arten fast 70 cm auf den Zollstock bringen.

Übrigens:

 
Auch im Aquarium gibt es derzeit Mini-Chamäleons zu bestaunen. Unsere Jemen-Chamäleons haben niedlichen Nachwuchs bekommen. Aus den ca. 1 cm langen Eiern sind nach Entrollen des kleinen Schwänzchens – etwa 3 cm kleine Chamäleon-Babys geschlüpft. Wer unsere kleinen Miniatur-Chamäleons Chris, Charly, Che und Chai live sehen möchte, muss sich allerdings beeilen. In den letzten Wochen sind sie schon einige Zentimeter gewachsen!

Kommentar verfassen

*
*

* Pflichtangaben

No comments